Jane Eyre und mehr

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Die »Manesse Bibliothek der Weltliteratur« hält einige Klassiker der weiblichen Schreibkultur bereit – in kleinem Format (9 x 15 cm) und besonders schöner Aufmachung! Perfekt für unterwegs, beispielsweise fürs Reisen in der Feiertagszeit: »Jane Eyre« lag unterm Weihnachtsbaum und hat mich in den letzten Tagen in meinem Rucksack begleitet. Auf Zugfahrten und Busreisen erzählte die Autorin Charlotte Brontë mir die Geschichte einer Frau, die bereits in jungen Jahren einen starken Willen und den Drang nach Selbstbehauptung entwickelt. Jane Eyre erfährt von Kindesbeinen an viel Leid und Ungerechtigkeit, woraus ein Freigeist heranwächst, der ihr Leben in allen Etappen entscheidend prägt: Von Gateshead, dem lieblosen Ort ihrer Kindheit, über ihre strenge Erziehung in der Waisenschule Lowood, ihre erste Anstellung als Gouvernante auf Thornfield Hall und ihrer dortigen Begegnung mit der Liebe und dem Wahnsinn zugleich, über die friedvolle aber emotionslose Zeit auf Marsh End, bis hin zu ihrem letztendlichen Glück auf Ferndean. Neben ihrem ungezügelten und selbstbestimmten Wesen hegt Jane Eyre auch sehr früh schon eine Faszination für Bücher, die sie stets begleitet.

»[…] ich bat sie, mir „Gullivers Reisen“ aus der Bibliothek zu holen. Dieses Buch hatte ich mehrmals mit großem Entzücken durchgelesen. Ich hielt es für einen Tatsachenbericht, tiefgründiger und fesselnder als die Märchen. Was nämlich die Elfen betraf, die ich vergebens unter Fingerhutblättern und – glöckchen, unter Pilzen und den Efeuranken alter Gemäuer gesucht hatte, so war ich längst zu der traurigen Erkenntnis gekommen, daß sie alle aus England fortgewandert waren, in ein weniger zivilisiertes Land, wo die Wälder noch wilder und dichter waren und die Bevölkerung spärlicher. Liliput und Brobdingnag hingegen hielt ich für wirkliche Bestandteile der Erdoberfläche, und ich zweifelte nicht daran, daß ich eines Tages eine lange Reise machen und mit eigenen Augen die kleinen Felder, Häuser und Bäume sehen würde, die zwergenhaften Menschen, winzigen Kühe, Schafe und Vögel des einen Reichs und die Ährenwälder, riesigen Bulldoggen, kolosalen Katzen und turmhohen Männer und Frauen des anderen.«

Über die Autorin:

Charlotte Brontë wurde 1816 in Thornton (Yorkshire, England) als drittes Kind einer Pfarrersfamile geboren. Nach dem frühen Tod ihre Mutter und ihrer beiden älteren Schwestern, übernahm sie die Erziehung ihrer jüngeren Geschwister Patrick, Emily und Anne, mit denen sie die Leidenschaft  und das Talent fürs Schreiben teilte. Nach zwei Schulaufenthalten in Internaten, arbeitete sie als Lehrerin und Gouvernante. Ihr Versuch, ein eigene Schule zu gründen, scheiterte. Auch ihr erster Roman »The Professor« wurde von den Verlagen abgelehnt und ein Gedichtband, den sie mit ihren Schwestern unter dem gemeinsamen Pseudonym Currer (Charlotte), Ellis (Emily) und Acton (Anne) Bell veröffentlichte, blieb erfolglos. Mit »Jane Eyre« gelang ihr 1847 schließlich der Eintritt in die literarischen Kreise Londons. Auch nachdem sie ihre Identität preisgegeben hatte, veröffentlichte sie weiterhin unter ihrem geschlechtsneutralen Pseudonym Currer Bell. Ein Jahr nach ihrer Heirat mit dem Hilfspfarrer Arthur Bell Nicholls starb Charlotte Brontë 1855 in Haworth (Yorkshire). Ihr unvollendeter letzter Roman »Emma« erschien 1860 postum, gemeinsam mit ihrem Erstlingswerk »The Professor«.

Neben den Brontë-Schwestern sind viele weitere Schriftstellerinnen vom 17. bis ins 20. Jahrhundert in der Manesse Weltliteratur-Reihe vertreten, beispielsweise Jane Austen mit (unter anderem) »Northanger Abbey«, Tania Blixen mit »Jenseits von Afrika«, Katherine Mansfield mit»Rosabels Tagtraum« oder Teresa de la Parra mit »Tagebuch einer jungen Dame, die sich langweilt«.

Titel: Jane Eyre; Autorin: Charlotte Brontë; aus dem Englischen von Andrea Ott, Verlag: Manesse; 784 Seiten, 24,95 Euro.

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