BOOK FAIRytale

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Die Leipziger Buchmesse! Zwischen Standschicht in Halle 5 (»Studium rund ums Buch«), Eindrücken und Erfahrungen zur Existenzgründung in der Verlags- und Buchbranche durch meine wunderbaren Gesprächspartner Karsten Brinsa vom Luups-Verlag und Michael Kriegel vom Verlag aus dem Pott (nachzulesen bei den Jungen Verlagsmenschen), (eindeutig!) zu vielen interessanten Vorträgen und Literaturveranstaltungen in der wunderschönen Gründerzeit-Stadt, war ich schlendern für die schreibstation; soll heißen: Leipzig & die Literatur aufsaugen, einfangen und festhalten! Und weil Alles so prall literarisch und ich so extrem mittendrin (um es an »Superprall« von Poetry-Slammer Sebastian23 anzulehnen, dem ich in der Moritzbastei gelauscht habe; ich zitiere: »Und alle so Yeah! und keiner so Buuh!«) gibt es nun eine Ladung Links aus dem Leipziger Buchwald – dort wo das letzte Einhorn lebt, oder so. Denn das Cover der fünften Ausgabe des Leipziger Literaturmagazins FETTLIEBE (auf dem Bild schaut es oben links frech heraus) besetzt (ziert kann an dieser Stelle irgendwie schlecht gesagt werden) ein fettes Einhorn mit winzigen Hufen, wallender Schnörkelmähne und natürlich einem Horn, das das Logo-Herz des Magazins einfach mal aufspießt. Die abgedruckten Künstlerinnen und Künstler treiben es mit ihren Beiträgen aber auch auf die Spitze! Kurzprosa, Lyrik und ein bisschen Kunst prallen aufeinander – nichts klingt gewohnt, einiges verwirrend, manches sogar abstoßend (schließlich hat das Einhorn nunmal ein Horn) – FETTLIEBE zeigt, was Gegenwartsliteratur kann! Gefunden hab ichs beim »Buchmessenspecial« von Stubenreim und Schkeuditzer Kreuz im Kulturkaffee plan b (überhaupt ein Ort den jeder, der was für Kultur übrig hat, in Leipzig mal aufsuchen sollte) – zwei Lesebühnen in Einer mit acht Aurtorinnen und Autoren, die sich den ganzen Abend fröhlich ihre Texte um die Ohren schlugen; Franziska Wilhelm lieferte mit ihrem »Shortsoundtrack« sogar den passenden Ohrwurm zu ihrem »Shortroman« (mit zarter Stimme und Ukulele: Draußen pissen die Männer gegen den Zaun). Weitere aufgeschnappte, nicht Ohrwürmer aber, O-Töne oder besser L(Lese)-Töne:

Kurt Mondaugen: »Jeder Mensch ist ein Künstler aber nicht jede Fliege irgendwie, leider.« »Was ist eigentlich die Wirklichkeit – also bei aller Freundschaft, es gibt wirklich verschiedene Versionen dafür.«

Max Beckmann: »Niemand ist vor dir, aber du bist trotzdem das Letzte.« »Der Glaube an Gewohnheit ist eine schlechte Angewohnheit.« »Und wir reden und reden und reden und schweigen immer lauter.«

Julius Fischer: »Hexenverbrennung war mir zu heiß.« »Der Wanderveganer – irgendwann ist das Korn halt alle.«

Peter Thiers: »Mein Leben ist wie einer dieser Plüschtierautomaten aufm Jahrmarkt.«

Linn Micklitz: »Ich habe ein Buch geschrieben. Ich werde daraus nicht vorlesen.«

»Shortheit« gabs auch auf der Messe. Der Verlag für Kurzes ist relativ jung (2011) und deshalb (noch) auf kleinem Fuß unterwegs – oder eben auf kurzem. Im Programm hat er Erzählungen in Kleinformat bis hin zu »Mini-Büchern«, die auf 14,8 x 9,5 cm unter Titeln wie »Sie trank Tee. Er wartete ab« beispielsweise die kürzesten Krimis der Welt vereinen, oder die Geschichte des »Bewusstseinspfannkuchen« präsentieren. Die »Edition Poeticon« vom Berliner Independent-Verlag J.Frank hat ebenfalls ein kleines Format, aber einen gewaltigen Inhalt (eine »poetische Annäherung« an »Begriffe, die unser Weltverständnis leiten«), der dem Verlags-Slogan »poetisiert euch!« absoluten Ausdruck verleiht. Neben Lyrik gibt es auch Kurzprosa und Illustrationen im Programm – alles Gegenwartsliteratur und vor allem: unabhängig! Abhängen konnte ich nebenbei bemerkt wunderbar auf ihrer bequemen Couch und dabei durch »Geschichte« von Jan Kuhlbrodt und »Geschlecht« von Swantje Lichtenstein blättern.
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Foto: Jan Bodenstein
Ein bestimmtes Thema legt auch die Kritische Ausgabe, kurz K.A., seit 1997 (an der Universität Bonn entstanden) für die jährlich zweimal erscheinende Zeitschrift für Germanistik & Literatur fest. In der jetzigen Ausgabe lautet es »Ende«. Neben Rezensionen, Porträts, Interviews und theoretischen Texten aus und über die Literatur- und Sprachwissenschaft, sticht für mich – im Hinblick auf meine Damen – vor allem die Rubrik »Vergessene Autoren« heraus – auch wenn K.A. aktuell einen Herren, den deutschen Schriftsteller Ernst Kreuder (1903-1972), aus dem Literatursumpf gezogen hat (der unter anderem für den Münchner Simplicissimus schrieb). Und weil man auf der Buchmesse leicht selbst in den übervollen Literatursog (nicht Sumpf) gezogen wird und vor lauter Büchern den Wald nicht sieht – bei Litradio (Universität Hildesheim, Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus ) gibt es Literatur auf die Ohren, nicht auf die Augen! Und zwar das volle Programm, nach eigener Wahl zusammengestellt aus Vorträgen, Lesungen, Gesprächen und Hörspielen.
Und zu guter Letzt (welches Märchen endet bitte schlecht?): ein Lob an unsere Messe-Postkarte (LMU Buchwissenschaft) – mit Foto & Design von Cindy (mit neuem Portfolio!) und einem Zitat von Autor Christoph Marzi, das zu meinem Leipziger Buchmessen-Leitspruch wurde. Wie man in den Buchwald hineinruft, so hallt es auch wieder heraus! Literatur ist ein Gemeinschaftsding und:

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2 Kommentare on “BOOK FAIRytale”

  1. Stoertebeker sagt:

    das klingt gut. (katschi von fettliebe)


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