Lose Titel für »los-Geschichten«

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Gedankenlos, spurlos, grenzenlos, wunschlos, uferlos, folgenlos, gnadenlos, arglos, reglos, tatenlos, empfindungslos, endlos, wesenlos, hilflos, zeitlos, körperlos, heimatlos, widerstandslos, willenlos, erwartungslos, orientierungslos, fassungslos, zwecklos, bedeutungslos, zwanglos, fristlos, wortlos, bedingunglos, schwerelos – »los-Geschichten« von Ingrid Kaech (*1963, Autorin und Dramaturgin), in denen sie ausgeglichen von Ihm, von Ihr oder von Ihnen erzählt, in unterschiedlichsten Situationen und Stimmungen. Die losen Titel sagen dabei nicht immer etwas über den Inhalt aus und noch weniger über das oftmals überraschendes Ende.

Lose Eindrücke von:

Einem gedankenlosen Mann, der eine Auszeit vom Leben nimmt, um zu denken und schließlich das Nichtdenken zu seinem Lebensziel macht.

»Es war ein Abenteuer. Jeden Tag aufstehen, sich hinsetzen und sehen, was passiert […] Er ließ sich auf das Allereinfachste ein, auf den Ursprung, so dachte er. Der Mensch als denkendes Wesen.«

Einer Frau, die spurlos Spuren ihres Lebens hinterlässt.

»Zeitlos tastet sie sich durchs Heute und Morgen, setzt einen Fuß vor den anderen, ins Nichts hinein, ohne Gestern und Morgen. Es gibt kein Ziel in ihrem Gehen, und das Garn wird nicht ewig reichen.«

Einem Mann, der grenzenlos auf der Suche nach Primzahlen ist, als gäbe es kein Morgen in der Mathematik.

»Er meinte, er könnte die Welt umschlingen, sie mit seinen weit ausgebreiteten Armen umfassen und sie ausreißen.«

Einer Frau, die folgenlos diesen einen Blick verfolgt.

»Es war nur ein Blick. Er traf sie. Berührte und verletzte. Es gab keine Worte, keine Begegnung. Es gab nichts weiter. Nur einen Blick.«

Einem Fremden der wesenlos im Türrahmen steht.

»Dass diese Hülle in der Welt war und sich benahm wie jeder andere Mensch […] Wie ein unberührbares Wesen ging er durch die Zeit, mit einen in sich gekehrten Lächeln.«

»Es ist ein Irrglaube, dass große Veränderungen plötzlich laut polternd ins Leben treten«, schreibt Kaech in reglos. Und obwohl die los-Geschichten vor allem vom Loslassen handeln, lassen die Geschichten selbst nicht voneinander los. Übergangslos zieht sich die Sprache der Autorin durch alle Geschichten und kehrt den negativen Ton ihrer Titel um, macht Veränderung positiv, lockert sie auf und hinterlässt dabei den losen Anschein, dass man ab uns zu etwas hinter sich lassen muss – und manchmal braucht es dafür nicht einmal ein loses Wort.

 

Info: Die los-Geschichten von Ingrid Kaech sind 2011 im Verlag für Kurzes erschienen, zu dem sie aufgrund ihrer Kürze wunderbar passen; 29 Geschichten auf 115 Seiten; 12 x 19cm; Broschur; 12 Euro. Hier kann lose reingelesen werden.

Bild: Verlag für Kurzes

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