Erstehilfekessel

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Worte gehen in Töne über, fügen sich, werden verzerrt, schwimmen in Klängen, winden sich in deren Rhythmus und schließlich gehen sie, zwischen Schnalzen und Schnipsen, Klopfen und Trommeln, unter oder auf im Hall des 21 Meter hohen Raumes der Kesselhalle des Mixed Munich Arts (MMA), einem ehemaligen Heizkraftwerk mitten in München, das Hauptspielstätte des forum:autoren war – dem Kuratorenprogramm des Münchner Literaturfestes (20.November bis 7.Dezember). Acht Veranstaltungen, die zum Programm hatten, was ihr Veranstaltungsort verspricht: mixed arts. Die Hauptessenz: Literatur. Die Zugaben: Film, Theater, Musik und Bildende Kunst. Der Kurator: Clemens Meyer, deutscher Schriftsteller aus Leipzig. Das Motto: »In Gefahr und grösster Not bringt der Mittelweg den Tod«. Es ging um Extreme, um Provokation und: um Erste Hilfe am Dienstagabend und zwar durch Poesie. Zunächst mit Andreas Reimann, dessen amüsant trockener Humor mich nicht nur in seinen Gedichten, sondern auch live auf der Bühne im Gespräch mit Clemens Meyer mehr als einmal zum schmunzeln brachte, beispielsweise als es um sein Publikationsverbot in den 1970er und 1980er Jahren ging:

»Man muss ja nicht immer Sachen schreiben, die so dämlich am Zeitgeist kleben.“

Ein Reim aus dem Gedicht Schlehen, den ich mir flink mitgeschrieben habe:

»Und wie flink wir auch die Karten mischen

Gegenwart ist immer ein dazwischen«

Anschließend ließ der dänische Autor und Klangkünstler Morten Søndergaard dann Poesie verschwinden. Er steckt nicht nur Worte in die Arzneimittelverpackungen seiner Wortapotheke, sondern machte, gemeinsam mit dem Drummer Klaus Q Hedegaard Nielsen, Lyrik zu Musik. Oder wie Søndergaard es zu Beginn der Performance formulierte:

 »We move from meaning to not meaning«

Aber auch diese Wortklänge hinterließen eine Bedeutung; einen Eindruck was Literatur so alles kann, wenn man sie mit anderen Künsten in einen Raum steckt. Wie auch beim Laden für Nichts, ein aus Spanplatten gezimmerter, wandernder Ausstellungs- und Aktionsraum (initiiert durch Uwe-Karten Günther) der auch Teil des forum:autoren war; in und an welchem sich nicht nur Beteiligte, sondern auch das Publikum wort- und kunstreich austoben konnte.

Außerhalb des forum:autoren 

15 Stunden täglich (von 8 bis 23Uhr) kann bei der 55.Münchner Bücherschau im Gasteig in allerhand Literatur gestöbert werden; im Gasteig, wie auch im Literaturhaus finden noch einige weitere Lesungen statt; ebenso beherbergt das Literaturhaus den Markt der unabhängigen Verlage (6. und 7.Dezember), der am 5.Dezember mit dem Preis für einen bayerischen Kleinverlag (Preisträger ist der Volk Verlag) eingeläutet wird. Zwei weitere Auszeichnungen werden im Rahmen des Literaturfestes am 29.November (LiteraVision mit öffentlicher Jurysitzung am 28. und 29.November) und am 1.Dezember (Geschwister-Scholl-Preis) verliehen.

Info: Hier geht es zum eigens für das Literaturfest kreierten Blog.

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