Ein Tee am See – You Silence I Bird sound so.

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Jonas und Moses haben gemeinsam Gitarre gelernt, Hendrik und Paul ebenso. Dann hat Jonas Paul in der Schule kennengelernt und sie haben angefangen, gemeinsam Musik zu machen. Und Moses und Hendrik kamen dazu. Das war vor etwa zwei Jahren; seither machen die Vier aus Braunschweig als You Silence I Bird Akustik Indie-Pop. Geprobt wird in ihren Wohnungen und ihr erstes Album »Teaside« ist im September 2014 erschienen. Es fängt das Gefühl ihrer Musik ein, wie auch ihr Bandname schon ausdrückt, was sie in ihren Lyrics sehen – das gewisse Ungewisse. Wie mir Jonas über Skype erzählt hat.

schreibstation: Zuerst einmal, warum dieser Name?

Jonas: Diese Frage wird uns häufig gestellt und wir sind da immer ganz frech und sagen: Wir sagen es nicht! Den Sinn dahinter, den gibt es natürlich. Das ist jetzt nicht nur dahingeplappert – Du Stille ich Vogel. Es hat schon einen Sinn, den möchten wir nur, genauso wie bei unseren Lyrics, ein bisschen im Ungewissen lassen. Es hat etwas mit der Stille und dem Vogel zu tun, mit You und I.

schreibstation: Schreibt ihr eure Songtexte selbst?

Jonas: Ja, alle. Das stand auch irgendwie nie zur Debatte. Wenn man selbst die Sachen am besten sagen kann, die man sagen will, dann ist es ja am besten, wenn man sie selbst sagt. (lacht) Also wenn es um die Texte geht, schreiben wir sie zu dritt. Hendrik, Paul und ich. Moses schreibt bei der Musik sehr viel mit. Ich habe angefangen Songtexte zu schreiben, als ich ein Jahr in Amerika war 2010/2011. Wir waren alle drei im Ausland, deshalb ist es auch recht natürlich für uns, auf Englisch zu schreiben. Allerdings habe ich da nie etwas zu Ende geschrieben. Das hat erst geklappt, als ich dann wieder in Deutschland war und Paul kennengelernt habe. Das war eine Art gegenseitige Inspiration. Wenn man dann zusammen am jammen ist, da entstehen ja auch Texte.

schreibstation: Und wie entstehen die Lyrics, wenn du alleine schreibst?

Jonas: Ich nehme mir meine Gitarre und denke gar nicht groß darüber nach, was ich sagen will. Ich singe einfach. Und dann entsteht mal was und manchmal eben nichts. Ich bin komplett instinktiv und probiere einfach aus. Und dass ich mich dann hinsetze und das Gesungene aufschreibe, das passiert eher gegen Ende des Songs. Ich kann keinen Song schreiben, wenn ich mir sage, du schreibst jetzt nen Song. Ich kann geplant an einem Song weiterarbeiten, das geht schon mal. Wenn ich das Gefühl dafür noch habe, für die Stimmung des Songs.

schreibstation: Was beeinflusst dich beim schreiben?

Jonas: Hauptsächlich einfach das Leben. Das, was mich bewegt. Was da textlich hochkommt, wo das genau herkommt, das weiß ich nicht. Es gibt mal einen Film, der einen inspiriert oder ein Buch. Aber es ist nicht so, dass ich mich hinsetze und denke: Ok, jetzt hab ich gerade das gelesen oder gesehen und jetzt schreib ich darüber einen Song. Das passiert alles unterbewusst. Beim rumsitzen und nichts tun, beim U-Bahn fahren…darüber sollte ich vielleicht mal schreiben. Aber siehst du, sobald ich darüber nachdenke, klappt es eh nicht. (lacht) Ich hab auch mal versucht deutsche Gedichte auf Englisch zu übersetzen und daraus was zu machen. Aber das klappt bei mir einfach nicht. Weil eben Melodie und Text oft Hand in Hand entstehen. Das ist ein ganz schmaler Grad, auf dem ich mich da bewege und da komm ich nicht klar, wenn schon etwas vorgegeben ist. Aber was einfach auch enorm viel Spaß macht, ist, einen Song mit den anderen zusammen zu schreiben. Wenn man sich den Text aufteilt und er dann nicht nur von einem selbst kommt und es trotzdem zusammenpasst. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Wir sind schon Musik-Soulmates, das könnte man so sagen. Also das klappt sehr instinktiv einfach bei uns. Und Kreativität kann ja nur kommen, wenn man sich aufeinander einlassen kann.

schreibstation: Welche Rolle spielt dann der Text in eurer Musik?

Jonas: Wenn die Melodie grandios ist, der Text aber nicht, dann kann man mit dem Lied auch nicht viel anfangen. Wenn ich selbst Musik höre, dann stört es mich, wenn ich das Gefühl habe, die Melodie und alles ist richtig gut, aber der Text ist nichts Besonderes. Und diesen Anspruch habe ich auch an mich selbst.

schreibstation: Ist es dir dann wichtig, dass eure Texte verstanden werden?

Jonas: Ich finde es zumindest wichtig, dass es die Option gibt, die Texte verstehen zu können. Das heißt zunächst einmal, dass man die Wörter nicht vernuschelt. Das finde ich wirklich wichtig. Und die Leute, die bewusst auf den Text achten und die ihn verstehen wollen, die können ihn dann auch verstehen.

schreibstation: Wenn du dich über eure Musik unterhälst, kommen dabei auch die Lyrics vor?

Jonas: Ich unterhalte mich schon mit Freunden darüber. Dann kriegt man auch Kritik, was ich gut finde – wenn mir jemand sagt, das klingt zu kitschig oder was willst du damit überhaupt sagen. Und wenn ich darüber nachdenke, merke ich, vielleicht hat derjenige damit Recht oder auch nicht. Ich wäre ja auch irgendwie ein schlechter Künstler, wenn ich, sobald jemand eine Frage stellt, gleich sagen würde: Oh ertappt, das ergibt überhaupt gar keinen Sinn. Also wenn ich einen Song geschrieben habe oder mittendrin bin, merke ich ja auch selbst, hey das passt textlich nicht. Und dann hab ich gar keine Lust mehr, den weiterzuschreiben. Dann lass ich es..

schreibstation: Dann wirfst du den Song einfach weg?

Jonas: Ja, das ist nämlich ganz schwierig. Manchmal hat man den Text ganz schnell geschrieben, wenn man genau in dem Gefühl steckt und die Worte findet, die man intuitiv sucht. Und manchmal dauert es eine Ewigkeit das, was man im Gefühl hat, auf Papier zu bringen. Oder man macht den Fehler, einen Song anzufangen und dann Kaffee trinken oder feiern zu gehen. Man macht irgendwas anderes und dann kommt man überhaupt nicht mehr in das Gefühl des Songs rein. Und dann ist der Song kaputt. Geht nichts mehr.

schreibstation: Das heißt, du machst ständig Songs kaputt?

Jonas: Ja. (lacht) Aber ich glaube das geht vielen so, die Songwriting machen. Zumindest meinen Bandkollegen geht es auch so. Dass wir viele Ideen haben, die wir uns dann auch gegenseitig vorspielen und sagen: ja, kann man was drauß machen. Aber dann schafft man es einfach nicht, den zu Ende zu schreiben. Auch wenn man dann wieder Zeit hat, sich hinzusetzen. Das Gefühl, das man hatte, als das Riff hochgekommen ist und als man die ersten Zeilen gesungen hat, das findet man dann nicht wieder. Und da kann man sich richtig totärgern. Also ich ärger mich dann enorm. Wenn ich gerade noch gefeiert habe, endlich mal wieder eine coole Idee zu haben – manchmal hat man ja auch Durststrecken – und dann wird man angerufen, telefoniert und dann geht man zurück und findet das Riff nicht wieder oder der Text ist weg oder die Melodie ist weg. Ist alles schon mal passiert.

schreibstation: Also sollte man als Musiker besser keine Freunde haben.

Jonas: Ja, das ist ganz schön hart. Nein, die inspirieren einen ja auch. Aber wenn ich mir zum Beispiel mal einen Nachmittag freinehme und mir sage, heute schreibe ich einen meiner 20 Millionen angefangenen Songs zu Ende, dann klappt das überhaupt nicht. Also bei mir ist es momentan so, dass ich so ein bisschen mit Songs ringe. Aber ich hatte auch schon Zeiten, da habe ich sie immer schnell zu Ende geschrieben und ich war auch immer zufrieden damit. Aber wie gesagt, das hat auch etwas mit Ansprüchen zu tun. Und mit Freunden, die anrufen. (lacht)

schreibstation: Und wie ist das Gefühl, wenn du es schaffst, einen Song zu Ende zu schreiben?

Jonas: Das ist natürlich sehr schön. Wenn man das Gefühlt hat, das formt sich jetzt gerade. Aber je höher der Anspruch an fremde Musik und an die eigene Musik wird, desto schwieriger wird es auch, einen Song für sich selbst gut zu Ende zu schreiben. Es ist schwieriger als früher geworden, dass ich dann bei den Jungs ankomme und wir schön einen Song daraus machen.

schreibstation: Und wenn du dann aber mit einem Song ankommst, arbeitet ihr gemeinsam daran weiter?

Jonas: Also das ist bei uns eigentlich nie Arbeit, sondern Vergnügen. (lacht)

schreibstation: Ok, vergnügt ihr euch dann weiter daran?

Jonas: Genau. Also oft geht es damit los, dass einer ein Gitarrenriff hat und ein anderer hat vielleicht schon denn Gesang. Manchmal hat man schon den ganzen Song, aber oft nur eine Idee und dann spielen die anderen was dazu. Und dann hören wir ja alle, ob es gut klingt. Und wenn es gut klingt, dann spielen wir den Song bei der nächsten Probe wieder und versuchen ihn zu formen.

schreibstation: Und was ist, wenn du nun mit einer Idee ankommst und davon total begeister bist, die anderen aber nicht?

Jonas: Das ist eigentlich das Schöne bei uns, das wird einem nie gesagt. Dann spielt halt keiner was dazu und derjenige merkt dann schon, dass es nicht so anschlägt. (lacht) Also das passiert schon auch mal, dass ich was schreibe oder eine Idee habe und dann finde ich die vielleicht sogar echt gut. Und jede Idee wird auch ernst genommen. Aber dann findet es keiner oder nur einer auch gut und dann wird mit dem einen ein bisschen rumgejammt und die anderen zwei kucken sich solange nur an und naja, dann war´s das halt. Da gibt´s dann keine Chance. Wir sind ja keine Band, wo irgendwer im Mittelpunkt steht. Wir haben keinen festen Songwriter und auch keinen Leadsänger. Die Musik soll im Mittelpunkt stehen. Und wenn nicht alle hinter der Musik stehen, ist es nicht gut.

schreibstation: Und wie war das bei Footprints?

Jonas: Das ist ein Song, der auf einer Idee basiert, die ich mal in Dänemark hatte; auf einer Terrasse von einem Ferienhaus. Ja, da hatte ich diese Zeile »Footprints tumbling I don´t even know your sins« (singt vor sich hin) und dann hab ich das zusammen mit Paul, der war mit dabei, ein bisschen gejammt und dann haben sich da schon so ein paar Zeilen entwickelt. Und so ein Groove, sag ich mal. Wobei am Anfang war der noch ganz anders. Das wurde in eine andere Richtung gelenkt, als wir Zuhause bei einer Probe weitergejammt haben und Hendrik dann ein Gitarrenriff dazu gespielt hat. Das hat dann den Ausschlag gegeben, dass wir wussten, das wird jetzt auf jeden Fall ein Song. Weil das Gitarrenriff den Song noch auf eine andere Ebene gehoben hat. Das ging direkt in den Kopf. Und dann kam Moses dazu und dann…ja, das ist eben so ein Beispiel dafür. Es gab eine Idee und dann dieses Riff und ein bisschen Gesang und der Rest kam dann mit der Zeit.

schreibstation: Was erzählt Footprints denn für eine Geschichte?

Jonas: Also eigentlich erzählt der Song keine richtige Geschichte. Es geht um das Gefühl, dass die Natur einem vermittelt, wenn man nach Hause kommt. Ok, das war jetzt ein bisschen kompliziert ausgedrückt. (lacht) Also für mich geht es darum, dass die Natur eine ganz neue Wertschätzung bekommt. Es geht komplett um dieses Gefühl, das kann ich nur ganz schwer beschreiben. »Teaside« einfach. Oder wie es ja auch in den ersten Zeilen steht: Wenn du ins Meer eintauchst oder den Wind oder die Regentropfen spürst. Wenn du merkst, dass du in der Welt angekommen bist. Und bei »Footprints« denke ich an Fußspuren im Sand. Und Fußspuren sind ja das, was wir hinterlassen. Was auch leicht wieder verwischt werden kann, was aber auch überhaupt nicht schlimm ist. Es soll alles nicht so ernst genommen werden. Man selbst soll sich lockerer nehmen. Dass man einfach ankommt und nicht immer hinterfragt, wo man herkommt. Es geht darum, das Jetzt zu genießen.

schreibstation: Und dieses Gefühl kann man nur in der Natur haben?

Jonas: Ja. Aber ich möchte da auch niemandem was vorschreiben. Also andere können das Gefühl von Footprints auch bekommen, wenn sie nicht in der Natur sind.

schreibstation: Aber von wem redet ihr denn dann in dem Song?

Jonas: Wenn es zum Beispiel geht »I just carry you home«? Da geht es um keine bestimmte Person. Also ich kann mir schon vostellen, dass manche da denken, ich meine ein Mädchen. Was hättest du denn gedacht?

schreibstation: Für mich klingt es eigentlich eher danach, als würdet ihr euch selbst meinen. Also euch als Freunde.

Jonas: Ja, das hat auch einen gewissen Anklang. Es ist ja auch so, dass Paul die Naturzeilen singt und ich den Footprints-Teil und den Ich nehm dich mit nach Hause-Dinger (lacht). Es hat auf jeden Fall was damit zu tun. Aber ich würde mich darauf nicht versteifen.

schreibstation: Und hast du eine Lieblingszeile?

Jonas: Ja. »Meet you at the borderline of harmony, I need you in my wide and open arms«, die drückt ziemlich gut aus, was ich in dem Song sehe. Ein Gefühl des Ankommens. Aber das Gefühl anzukommen, auch während des Reisens. Das muss man ja nicht wörtlich nehmen. Und Paul singt diese Zeile auch so schön.

schreibstation: Und abschließend wieder die Namensfrage, warum Teaside?

Jonas: Das ist eine Wortneuschöpfung, eine Mischung aus Teatime und Seaside. Wir glauben, das passt gut zu unserer Musik, auf jeden Fall zu den Songs, die auf der Platte sind. Das ist das Gefühl einfach, einen Tee am See zu trinken. Man kann auch einen Kaffee dazu trinken, oder so. (lacht)

Teaside flattert bald auch mit seinem, wie ich finde sehr hübschen Cover, in meinen Briefkasten. »Aber nur, wenn du magst«, sagte Jonas. »Unbedingt«, antwortete ich. Unbedingt ein bisschen Tee am See in der Großstadt. Und ich trinke Tee und Kaffee dazu und hinterlasse gedanklich ein paar Fußspuren im Sand.

Footprints, reinhören und rauslesen:

 

Wind, oh wind touch my skin

Sea, big sea can I come over for a swim?

In my old bus I take a ride,

In my hippie bus I take a ride to the west coast.

Laughter, broad smiles, kisses on my neck oh yeah

And

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, it’s a long way baby, we ignored

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, it’s a long way baby, we ignored

 

I just carry you home

Enjoy your ride

And better open up your eyes, better open up your eyes

I just carry you home

Enjoy your ride

And better open up your eyes, better open up your eyes

 

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, you don’t have to go

 

Rain, sweet rain you let our native plants grow

Sound, oh blooming sounds you’re the music while I’m the flow.

Meet you at the borderline of harmony

I need you in my wide an open arms

Meet you at the borderline of harmony

I need you in my wide an open arms

And

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, it’s a long way baby, we ignored

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, it’s a long way baby, we ignored

 

I just carry you home – no matter which way we take

Enjoy your ride

And better open up your eyes, better open up your eyes

I just carry you home – no matter which way we take

Enjoy your ride

And better open up your eyes, better open up your eyes

 

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, it’s a long way baby, we ignored

Footprints, tumbling, I don’t even know your sins and

You don’t have to go, it’s a long way baby, we ignored

 

I just carry you home – no matter which way we take

Enjoy your ride

And better open up your eyes, better open up your eyes

 

Info: Wer auch ein wenig Teaside möchte: E-Mail an info@ysib.de. Ab Januar gibt es die Platte auch bei I-Tunes zu kaufen. Oder natürlich direkt bei den Konzerten von You Silence I Bird: 09.01.15 Polyester Klub/Oldenburg; 10.01.15 B58/Braunschweig; 08./09.05.15 Gastfeld/Bremen; 13.06.15 Summertime Festival/Wolfenbüttel

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