Eine Biografie über Sophie, Sisis kleinste Schwester.

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»Sie ist fromm, einfach, sanft und liebevoll, intelligent; sie strebt nach einem ausgefüllten und ruhigen Leben; und dennoch hat sie eine gewisse natürliche Fröhlichkeit…Sie ist keine klassische Schönheit, aber sie hat schöne blaue Augen voller Ausdruck, eine Fülle an Haar in einem warmen Blondton, einen schönen Teint, eine hübsche Figur, einen lebendigen und gesunden Ausdruck, der einem Freude macht…« (Herzog Ferdinand von Alençon)

»Sophie ist eine treue, teilnehmende Seele voll Geist, ihr Loos hat eine gewisse Aehnlichkeit mit dem meinigen, wir Beide leben in Mitte einer Umgebung die uns nicht begreift und falsch beurtheilt, wir leben wie auf einer Oase im Sandmeer der Wüste.« (König Ludwig II von Bayern)

Es wurde mal wieder Zeit für eine Biografie und gefunden habe ich sie in Sophie Charlotte; die Lebensgeschichte der kleinsten Schwester der allseits bekannten Kaiserin Sisi. Im Oktober 2014 ist die Biografie beim Münchner August Dreesbach Verlag erschienen und der Autor Christian Sepp fragt sich in seinem Vorwort, wie sehr man – aller Neugier zuliebe – die Nase in das Leben eines anderen Menschen stecken darf, auch wenn dieser bereits verstorben ist und ohnehin in der Öffentlichkeit gelebt hat. Wie wird man einer Lebensgeschichte gerecht? Wie umgeht man Unwahrheiten und erkennt Wahrheiten, um am Ende ein ehrliches und stimmiges  Bild zu rekonstruieren? Ein Hauch Spekulation bleibt immer bestehen. Aber das ist ja das Spannende daran. Und ehrlich gesagt, macht es einfach viel zu sehr Spaß, den Spuren eines interessanten Lebens nachzugehen, zu recherchieren und zu entdecken – vor allem wenn sie einem, wie es bei Sophie Charlotte (1847-1897) der Fall war, bei eBay quasi in die Hände fallen: Briefe die sie ihrer Tochter geschrieben hat; allesamt aus einem Privatnachlass. Historische Quellen also, die noch nie ausgewertet wurden. Wenn das keine Aufforderung war, die Geschichte zu erzählen. Und noch dazu eine Geschichte, die so viel Erstaunliches und Wissenswertes bereithält: eine innige Freundschaft mit dem Märchenkönig Ludwig II von Bayern, die bis zur Verlobung führte, weiter aber nicht; eine Affäre mit einem Fotografen, die Heirat mit Herzog Ferdinand von Alençon, die Liebe zu einem Arzt, ein Scheidungsvorhaben, die Einweisung in ein Sanatorium; ein schicksalhafter Tod; und so vieles dazwischen. Christian Sepp rückt Sophie Charlotte zurecht in das Licht der Aufmerksamkeit und das auf eine sehr schöne Art und Weise – immer wieder fließen ihre eigenen Worte und die Worte der Menschen, die an ihrem Leben teilgenommen haben, in den Text mit ein; in Briefen und Tagebucheinträgen, und durch viele Fotografien. Die Biografie schafft so nicht nur einen auffallend authentischen Einblick in das Leben der Herzogin, sondern auch einen lebendigen Eindruck in die Zeit, in der sie lebte – das aufregende 19.Jahrhundert. Ebenso zeichnet sie ihr gesamtes Umfeld nach. Denn mit den Lebensetappen von Sophie Charlotte werden auch ihre Eltern, ihre Freunde, ihre Bekannten und vor allem ihre sieben Geschwister zum Leben erweckt und damit alle, die sie beeinflusst haben und all das, was sie mit ihnen erlebt hat. Eine runde Geschichte, die mich beim Lesen »verzerbelt« hat.

»An einem schönen Tag ist man ganz „verzerbelt“…«

 

Titel: Sophie Charlotte – Sisis leidenschaftliche Schwester; Autor: Christian Sepp; August Dreesbach Verlag München; 288 Seiten; 24 Euro

Bild: August Dreesbach Verlag

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