Und fahre mal drauf uferlos

»Jede Liebe hat ihre Landschaft« schreibt Rebecca Solnit in Die Kunst, sich zu verlieren (Original: A Field Guide to Getting Lost); ein wundervolles Buch, um sich in Bekanntem zu verlieren, sich in Unbekanntem zu finden. Um bewusst mal in die vermeintlich falsche Richtung zu laufen und dabei das Leben zu finden.

»Hier geht es nicht darum, dass man sich verirrt hat, sondern darum, dass man sich verlieren will.«

Ein Buch für das Loslösen, für den Aufbruch; für das Eintauchen und Abtauchen in »Das Blau der Ferne«, das einen blauen Faden zwischen den Kapiteln spinnt:

»Das Blau der Ferne ensteht mit der Zeit, mit der Entdeckung der Melancholie, des Verlusts, des Wesens der Sehnsucht, der Komplexität des Terrains, das wir durchmessen, und mit den Jahren des Reisens.«

Eine Reise steht bevor. Denn ich habe letztes Jahr eine Liebe gefunden, eine Landschaft. Diese eine Stadt: Kopenhagen. Ein bekanntes unbekanntes Terrain. Seeland. Dort ist es, das tiefe Blau des Wassers, das graue Blau des Himmels, das satte Blau meiner Ferne: mein Terra incognita. ♁55° 41′ N, 12° 35′ O heißt die Zauberformel, lauten die Koordinaten. 24 Meter über dem Meeresspiegel liegt sie, diese Fläche von 86,20 km2, die in 15 Bezirke aufgeteilt ist, die von derzeit 569.557 Menschen bewohnt wird – und mir. Von Januar bis Juli, von Winter bis Sommer, von 2 bis 20 Grad.

»Sich nicht zu verlieren heißt, nicht zu leben…und irgendwo in der Terra incognita dazwischen liegt ein Leben voller Entdeckungen.«

Und die schreibstation zieht mit mir in den Norden. Was folgt ist eine neue Kategorie. (Bald mehr dazu)

»Was folgt sind einige meiner eigenen Landkarten.«

Und was mich dorthin und weiterhin begleitet, ist diese Frage:

»Auf welche Weise willst du dasjenige suchen, wovon du ganz und gar nicht weißt, was es ist?«

Ich gucke durchs Fernrohr und sehe: Blau.

Die Landkarte stecke ich schön wieder ein.

Und fahre mal drauf uferlos. 

Und dazu dieses Lied – denn Rebecca Solnit schreibt, auch Musik ist die Kunst, sich zu verlieren. Und Tina Dickow weiß, was ich meine:

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Titel: Die Kunst, sich zu verlieren; Autorin: Rebecca Solnit; Pendo Verlag; aus dem Amerikanischen von Michael Mundhenk; 222 Seiten; 16,95 Euro,

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