»Wenn du einfach leben kannst« – Groundswimmer sound so.

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Groundswimmer, das war mal ein Solo-Projekt von Olli. Dann wurde es zur Band mit Martin, Johannes und vor einem Jahr kam noch André dazu. Gemeinsam machen sie Alternative-Rock und das Reisen spielt in ihrer Musik oft eine Rolle. Denn unterwegs ist die Gitarre immer dabei und am liebsten reisen sie wie in Into the wild; über diesen Film – vor allem aber über den Soundtrack – hätten wir uns noch lange im Café Jasmin in München unterhalten können. Und um dieses Gefühl der absoluten Freiheit geht es auch in ihrem Song About the Ease of Life.

schreibstation: Warum macht ihr Musik?

Olli: Weil ich das schon immer machen wollte. Ich weiß nicht, ob ich ein geradliniger Mensch bin, aber wo ich immer konsequent war, ist Musik. Ich habe Mitte der 80er Jahre Bruce Springsteen und Queen entdeckt und das war für mich der Einstieg. Ich hab da schon gemerkt, dass das was für die Seele ist. Dann wollte ich Gitarre lernen und irgendwann hat mir mein Vater eine Gitarre geschenkt und dann hab ich mir ein bisschen was beigebracht. Da hab ich aber Musik noch nicht wirklich als selber machen erlebt, sondern vielmehr als Fan. Ich hab mir eine große Plattensammlung angelegt und bin auf so ziemlich alle Konzerte gegangen in München. Und irgendwie reift man da ja dann mehr und entdeckt einen anderen Horizont. Also das heißt mein ganzes Leben lang begleitet mich Musik, als Fan und dann eben auch als Musiker. Ich hab dann mal zehn Jahre nichts gemacht, weil ich dann den Zivi und eine Ausbildung gemacht habe. Aber irgendwann ist die Sehnsucht dann wieder entstanden. Dann hab ich wieder Songs geschrieben und gespielt.

Andrè: Bei mir war es ein bisschen anders. Ich hab mehr oder weniger schon immer Gitarre gespielt und mich durch jedes Genre so durchgearbeitet: Klassik, Hardrock, Country, Country Blues, dann auch viel Folk und ein paar Jahre lang nur Alternative Metal. Ich krieg einfach den Hals halt nicht voll. Ich wollte eine Band und wollte mit der einmal auftreten und dann war mir das viel zu klein, dann wollte ich vor größerem Publikum auftreten. Und dann wollte ich was aufnehmen und dann hat sich das nicht gut angehört und dann wollte ich was Besseres aufnehmen. Und dann dachte ich, wenn ich das schaffe, habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Aber eigentlich ist das nur der Anfang. Ich bin halt nicht satt. Ich will ein geileres Album, ich will größere Sachen spielen. (lacht)

schreibstation: Wer schreibt eure Songs?

Olli: Das Projekt hab ich ja als Solokünstler begonnen und da hab ich die Songs alleine geschrieben. Aber irgendwann hab ich dann eine Band zusammengestellt, das war vor viereinhalb Jahren. Also in der Anfangsphase war ich der Songschreiber, aber jetzt hat sich das schon verändert. Der André ist jetzt dabei und der kann das auch. (lacht) Und ich hoffe auch, dass da noch mehr kommt. Und der Martin hat auch schon einen Song geschrieben. Ich hoffe, dass sich da noch mehr tut, weil uns das musikalisch sehr weiterbringt. Ich finde das sonst irgendwann langweilig, immer nur meine Songs zu spielen.

André: Wobei der Olli schon wirklich die meisten Songs schreibt, also er ist schon der, der powert.

schreibstation: Und wie entstehen eure Songs?

Olli: Also die romantische Vorstellung der Band, die repräsentieren wir nicht. Wir wohnen nicht gemeinsam in einer WG und wir schreiben nicht jeden Tag einen Song. (lacht)

André: Ja, jeder schreibt schon für sich allein.

Olli: Und es ist meistens tatsächlich so, man sitzt da und klimpert irgendwas rum. Und ja, dann komm ich in so ein Geklimper rein und dann gefällt mir was. Also bei dem Entstehungsprozess des Songwritings würde ich eigentlich niemandem zumuten wollen, dabei zu sein. Wenn du das aufzeichnen würdest, was da für Sätze entstehen, das ist eigentlich echt schlimm. Ganz ganz furchtbar. (lacht) Weil das total ausgedachter Schmarrn ist und weil es diese Wörter oft gar nicht gibt. Das ist teilweise wie so eine eigene Babysprache, Hauptsache da passiert irgendwas. Dann weißt du, wie lange ist die Phrase, wie lang kann die Zeile sein, wann ist ein cooler Vers entstanden – und dann streut man immer wieder was ein. Und irgendwann entsteht dann halt der Text. Also ich muss auch sagen, das Texte schreiben dauert bei mir am längsten.

André: Man könnte es auch so sagen: das Instrument zu spielen, ist natürlicher. Du hast einfach eine Emotion und dann spielst du irgendwas. Also das Wort ist für mich nicht unnatürlich, aber es ist eine Sache, die ich überlegter machen muss. Das kommt nicht einfach so aus mir heraus. Beim Spielen denk ich nicht groß drüber nach.

Olli: Und das ist ja auch das letzte, das im Studio aufgenommen wird, der Gesang. Also wenn ich sage, ich habe einen Song schon relativ ausgereift, wie ich ihn einem Musiker präsentieren würde, also wenn zum Beispiel der André zu mir kommen würde und sagen würde: pass auf, vergiss mal den Text, aber das wären die Zeilen die zu spielen sind, die Einleitung, der Höhepunkt und so weiter. Du kannst das dann ja zählen, wenn du den Rhythmus hast. Musik ist dann ja auch ein Stück weit Mathematik. Und so kann dann jeder Baustein des Songs zusammengesetzt werden. Und das reicht mir dann eigentlich schon, um damit arbeiten zu können. Wann dann der Text dazu kommt, das ist erst mal nicht wichtig.

André: Bei mir ist es oft so, ich habe den Refrain und dann diese ein, zwei Worte. Die sing ich so weiter vor mich hin und dann kristallisiert sich schon raus, um was es geht. Also das Thema hast du immer. Aber du hast die Worte eben noch nicht. Aber wenn ich einen Song schreibe, ja dann ist der für mich schon voll da, dann ist das Thema für mich eigentlich schon klar. Und dann ist auch klar, was ich noch dazu schreibe.

Olli: Ja, wenn du eine bestimmte Stimmung oder einen Eindruck in einen Song verarbeiten willst, dann ist ja eigentlich klar, um was es geht. Ich finde nicht, dass jeder Text mit jedem Song funktionieren würde. Das muss schon zusammenpassen. Also ich kann sowas beim Film immer gut sagen. Ich steh schon drauf, wenn der Soundtrack zur Geschichte passt. Zum Beispiel beim Horrorfilm, das ist jetzt keine schöne Geschichte (lacht), aber da gibt es Filme, die schocken mich nicht, wenn da moderne Technomusik im Hintergrund läuft. Sowas gibt’s ja. Viel mehr erschrecken tut´s mich, wenn da eine dissonante Violine spielt oder basslastige Instrumente. Und so ist das auch in der Musik. Ein fröhlicher Song sollte auch fröhlich transportiert werden, oder ein trauriger Song eben traurig. Alles andere würde sich auch falsch anfühlen.

schreibstation: Beeinflusst euch Literatur beim Schreiben?

André: Ganz sicher nicht (lacht) Also wenn es sowas gibt, dann finde ich das schon sehr schön. Aber mir ist bewusst, ich les jetzt nicht so tolles Zeug, das würde ich nie in meine Songs bringen. Da mach ich mir schon mehr Gedanken. Also das eine konsumier ich einfach und mit dem anderen versuche ich mich selbst auszudrücken. Und was mir immer wichtig ist: dass ich Sachen verpacken kann. Also dass ich Leuten was klar machen kann, ohne mit dem Finger darauf zeigen zu müssen. Ich versuche immer so zu schreiben, dass man nie sagen könnte, dass ich das bin, um den es geht. Ich schreibe eigentlich nie »Ich«. Weil ich damit auch Sachen sagen kann, die ich sonst nicht so sagen könnte.

Olli: Bei mir ist es eigentlich schon so. Also meine Lieblings-Reihe ist der Lonely Planet (lacht) Nein, aber ein Buch, dass mich sehr beeindruckt hat war »Dienstags bei Morrie«. Das ist eine wunderbare, wenn auch traurige Geschichte. Da sind schöne Aussagen dabei, die mich in diese sehnsüchtige melancholische Stimmung gebracht haben. Und nachdem ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich einen ziemlich hohen Output an Songs, die ich geschrieben habe. Ein Buch kann also beeinflussen und genauso: Filme. »Into the wild«, der hat mich sehr beeinflusst. Den Soundtrack hätte ich eigentlich gern selbst geschrieben. Und ich habe bestimmt drei, vier Songs nach dem Film geschrieben, die auch genau dieses Thema behandeln: Abhauen, Zwänge hinter sich lassen, dieser Wohlstandsgesellschaft Lebewohl sagen.

André: Ja, das coole an diesem Soundtrack ist, du kannst die Augen einfach zu machen und den Film trotzdem sehen. Also ich kenne keinen Soundtrack, der so viele Emotionen, so viele Bilder, so viele Eindrücke und Gedanken rüberbringt. Der Film wäre ohne den Soundtrack wahrscheinlich nur die Hälfte wert, aber der Soundtrack ohne den Film funktioniert. (lacht)

schreibstation: Warum nehmt ihr eure Gitarre mit in den Urlaub?

Olli: Naja, da hängst du halt rum und gewinnst so viele Eindrücke. Und das muss dann irgendwo raus, das ist ein Ventil. Also wenn ich da was erlebt habe und es schön fand, dann muss ich nen Song schreiben. Ich würde auch gern ein Gedicht schreiben oder ein Bild malen, aber das kann ich halt nicht. Ich bin da eher expressionistisch, ich muss mich ausdrücken. Und dann schreib ich ein bisschen am Text und dann brauch ich eine Melodie dazu und das ist dann das Fragment für einen Song. Und wenn du mal schaust, es gibt viele Songs, die nach einem Land oder einer Stadt benannt sind – also bei uns. Das ist dann einfach dieses Reisethema, das da dabei ist.

schreibstation: Reicht es nicht, die Eindrücke mit nach Hause zu nehmen und dort dann den Song zu schreiben?

André: Das Problem ist ja, du bist im Alltag viel eingespannt, also auch in musikalischer Hinsicht. Du musst zur Probe und die Songs üben, die schon fertig sind und Konzerte spielen. Nur weil du was für die Band machst, heißt es ja nicht, dass du dann immer die Muse hast, kreativ zu sein. Im Urlaub ist es halt so. Da hast du definitiv die Zeit und auch die Muse dich an einen einsamen Strand zu legen und zu schreiben.

Olli: Wenn ich eine Idee hab, dann muss ich da sofort was draus machen, sonst vergess ich die. Also das ist kein Scherz, ich hab auch schon ins Handy rein gesungen, wenn ich eine Melodie im Kopf hatte. Die wär sonst weg. Und wenn ich Zeit habe und unterwegs bin, das sind dann eigentlich mehr Geschichten, die mir da kommen. Das ist gar nicht eine Melodie oder ein Ablauf, sondern oft ist es auch nur ein Wort. Das klingt dann cool, da will ich dann was draus machen. Und um dieses Wort dreht sich dann der Song.

schreibstation: Zum Beispiel?

Olli: Zum Beispiel »Ease«, das hat mir einfach gefallen. Ich hab mir gedacht, das hab ich noch nie so gehört, da würde ich gerne was machen. Und »About the Ease of Life«, das könnte auch eigentlich der Titel von einem Roman sein. Und so ist dann eben die Idee zu dem Song entstanden.

schreibstation: Was ist die Geschichte von About the Ease of Life?

Olli: Also »About the Ease of Life«; das ist ja sozusagen mein Ding. Eigentlich ist es schon ein melancholisches Thema, es geht ums Reisen und ums frei sein. Also alles, was ich gerne im Leben mache, ist halt Musik und Reisen. Und wenn ich dann reise ist das so der Moment, in dem ich uneingeschränkt glücklich sein kann. Weil es keine Einflüsse gibst, du kannst machen was du willst. Du stehst auf wann du willst, du nimmst deinen Rucksack und du hast Klamotten an, die du eben an hast. Man ist unterwegs und lässt los und dann ist das Leben leicht. Wenn du einfach leben kannst.

schreibstation: Und habt ihr eine Lieblingszeile aus einem eurer Song?

Olli: Also ich bleibe da spontan mal bei About the Ease of Life, da gefällt mir einfach der Titel schon so.

André: Ich aus einem unserer älteren Songs, Reborn: My innerchild is feeling deep inspired, By watching clouds and the love that´s hided, My wasted heart is tryin´ to reach the top, Landed on my knees and the bleeding stopped.

Groundswimmer heißt übrigens Groundwimmer, weil Olli damals als Singer-Songwriter nicht einfach seinen Namen hernehmen wollte: »Da war ich noch so in meinem zweiten Erwachsenwerden und habe an vielen Dingen gezweifelt, die ich gemacht habe oder die ich noch nicht gemacht habe. Und das musste dann jemand sein, der sich nicht so am Licht befindet, dieser am Boden schwimmende Groundwimmer.« Erst später ist ihm aufgefallen, dass es auch ein Tier gibt, das so heißt: ein Käfer, der am Grund eines Flusses lebt und so im Verborgenen auf seine Art und Weise mit den großen Fischen schwimmt.

About the Ease of Life – reinhören und rauslesen:

I know, I know, I know … a beautiful place

I feel, I feel, I feel … the passion and god´s grace

For the city lights, for the star, that´s falling down, falling apart

For the sailors and tailors, that passing by, passing around

 

I run, I run, I run … into the wild

I laugh and cry, I laugh and cry … like a child

For the city lights, for the star, that´s falling down, falling apart

For the sailors and tailors, that passing by, passing around

 

I burn, I burn, I burn … for your love

I swim, I swim, I swim … between love and hate

For the city lights, for the star, that´s falling down, falling apart

For the sailors and tailors, that passing by, passing around

I love, I love, I love … I love you all the time…

Info: Groundswimmer bringen 2015 noch ein neues Album heraus. Ihre bisherigen Auftritte in diesem Jahr: 24.02. Ludwigs/Nürnberg; 25.02. Wunschlos Glücklich/Würzburg; 26.02. Clearing Barrel/Kaiserslautern; 27.02. Wohnzimmerkonzert/Bad Honnef; 28.02. Lichtung/Köln; 14.03. Live Club/Bamberg; 10.04. tba/Bamberg; 11.04. Wohnzimmerkonzert/Bamberg; 26.09. Club Backnang/Backnang; 09.10. Buchbar/Dresden; 10.10. Café Grenzenlos/Cottbus

0.10.2015 – Cafe Grenzenlos, Cottbus

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