»Etwas streifte mein Herz«: Traumsammlerin von Patti Smith

»Die Gedankenwelt eines Kindes ist wie ein Kuss auf die Stirn – offen und unbefangen.«

Das Kindsein kam zur Sprache, letztens. Die Frage kam auf, ob ich noch einmal zurück wollen würde und ich sagte nein, zunächst. Ich mag mein Alter, diese Lebensphase. Dann las ich Traumsammlerin von Patti Smith und revidierte; der unbändigen Fantasie wegen, die einem in diesen Jahren blüht, die nie zu verwelken scheint. Und wegen der Zeilen, die meine Stimmung an diesem lauen Sommerabend während des Lesens so passend einfingen:

»Man pustet Kerzen aus, pustet Sterne an…Was wünscht man sich? …wieder so zu hören wie als Kind. Eine Musik – seltsam, zuversichtlich, so schlicht und flüchtig wie der Ruf der Tanzmusik in einer Sommernacht. Lachen und Freude, die sich überallhin ausbreiten. Und alle tanzen, tanzen einfach nur.«

Auch mit 25 habe ich Fantasie. Eine andere; keine schlechtere, aber eine andere. Es ist die Realität, die sich mit ihr vermischt, das Mehrerlebte. Doch für den Moment sehne ich mich zurück in meine einzig(artig) ausgemalten Geschichten. Ich erinnere mich an mein wackeres Ronja Räubertochter-Dasein im Wald, die unzähligen Fahrten auf einem Piratenschiff – ein Notenständer diente als Steuerrad und Stunde für Stunde ging mit dem Zeichen von Schatzkarten dahin – den fliegenden Teppich, mit dem ich, gekleidet in blauer Pumphose, die Welt von oben erkundete, bevor ich das erste Mal in einem Flugzeug saß; um »im federleichten Schweben, Sätze [zu] sagen wie«:

»Wie groß die Welt doch ist. Wie hoch. Und der Stoff der Gedanken – aufgeladen, explodiert und verweht…«

»…meine einzige Aufgabe war es, flüchtige Gedanken zu retten wie Wollbüschel aus dem Kamm des Windes.«

Traumsammlerin ist voll kurzer, schöner Geschichten, hauptsächlich aus Patti Smiths Kindheit. Oft hängt sie dabei mit dem Kopf in den Wolken:

»Wenn wir jung sind, überwältigt von dem Gefühl, anderswo herzukommen, horchen wir, forschen wir im Inneren…wir stoßen auf eine weite Ebene…auf eine Wolke…dies sind unsere jungen Gedanken.«

wolkenwinkelIIII

Ihre Autobiographie Just Kids wurde mir letztes Jahr empfohlen. Meine Begeisterung war groß und ist es noch; ich kann sie nur weiterempfehlen.

»Ich wusste schon immer, ich würde ein Buch schreiben, wenn auch nur ein kleines, das einen fortträgt in eine Welt, die weder zu vermessen ist noch in Gedanken zu fassen.«

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