Was sich in den Sommer stapelt

bücherbettstapel

Weil ich stets mehrere Bücher zur selben Zeit lese, liegt immer dieser Bücherstapel in meinem Bett; griffbereit, angelesen, weitergelesen – ohne Reihenfolge, rein nach Leselaune. Gerade liegen dort:

Der verzauberte Weg von Oscar Parland:

»Die Landschaft, durch die sich der Pfad der Erinnerung windet, wirkt immer phantastischer und unwahrscheinlicher. Ich weiß nicht mehr, was Erinnerung, Dichtung oder Traum ist. Die Proportionen haben sich verändert, die Bedeutungen verschoben, die Dinge sind nicht länger das, wofür sie sich auszugeben versuchen. Alles ist so viel rätselhafter und vieldeutiger als die Welt, in der ich jetzt lebe.«

Die Empfindsamkeit von Anaïs Nin mit Essays über Frau und Mann, Schriftstellerei, Musik und Film und Verzauberte Orte, die sie besucht hat; beispielsweise Fès, die Labyrinthstadt in Marokko:

»Fès ist zur Freude unserer fünf Sinne erbaut worden. Mein erster Eindruck ist der angenehme Duft der Zedernholzmöbel im Hotel Palais Jamali, ein Duft, der dem Souk, der Marktgasse, in mitten des geschäftigen Treibens der Tischler wieder auftaucht. Die Farben von Fès sind in meinem Zimmer schon vorhanden: blaue Fliesen, ein Kupfertablett, kupferfarbene Vorhänge. Als ich sie aufmache, liegt die Stadt vor meinen Augen ausgebreitet.«

Fiesta von Ernest Hemingway, das unter anderem an einem Ort spielt, den ich letztes Jahr selbst besucht habe; das Café Iruña im baskischen Pamplona:

»Wie tranken im Iruña unsern Kaffee, saßen in bequemen Korbstühlen und sahen aus der Kühle unter den Arkaden auf den großen Platz. Nach einer Weile stand Bill auf, um einige Briefe zu schreiben, und Cohn ging hinüber zum Friseur…und ich blieb vor dem Café sitzen. Ich saß vor dem Café und machte dann einen Spaziergang durch die Stadt. Es war sehr heiß, aber ich blieb auf der schattigen Seite der Straße und ging über den Markt, und ich freute mich, die Stadt wiederzusehen.«

Novecento von Alessandro Baricco, die Legende vom Ozeanpianisten:

»Novecento? Novecento! Aber das ist doch eine Zahl! Das war eine Zahl. Jetzt ist es ein Name.«

»Einmal fragte ich Novecento, woran er dächte, wenn er spielte und was er sah, wenn er dabei immerfort vor sich hinstarrte, wo er eigentlich mit den Gedanken war, während seine Hände über die Tasten glitten. Er sagte: „Heute war ich in einem wunderschönen Land, die Haare der Frauen dufteten so gut, überall war es hell und voller Tiger.“ Er reiste.«

Wolkenfern von Joanna Bator:

»Auf dem Gipfel des Hügels angekommen, setzt sich Grazynka mitten in den herrrenlosen Wald auf einen Stein, der so glatt ist, als hätte das Meer in ausgestoßen, und blickt auf ihr Haus…Grazynka sieht von hier aus ihr Leben…es sind Dinge, die geschehen sind und die es nicht mehr gibt, und solche, die nie geschehen sind und die es noch gibt, etliches ist da, das erst noch geschehen wird…«

Justine von Lawrence Durrell:

»Das sind jene Augenblicke, die sich dem Schriftsteller, nicht dem Liebenden, einprägen und die ewig fortleben. Man kann in der Erinnerung immer wieder zu ihnen zurückkehren oder sie als Fundament benutzen, auf dem man einen Teil seines Lebens aufbauen kann: das Schreiben.«

Endloser Sommer von Ralf Chudoba und Michael Zöllner (Hrsg.), ein literarischer Surftrip, auf dem ich bald noch ausführlicher herumreiten werde:

»Wenn also der obere Teil der Welle weiterwandert, während der untere zurückbleibt, so muss das Folgen irgendeiner Art haben.«

Auf der momentanen Leseliste stehen auch: Mein Hiddensee von Ulrike Draesner und Sommernovelle von Christine Neudecker. Und wer weiß schon, welche Bücher sich sonst noch im Laufe des Sommers so bei mir stapeln…

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