Ein literarischer Surftrip, ein endloser Sommer, ein Hin und Her

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Dieser Sommer erscheint endlos, wenn man bedenkt, dass mir zu seinem Beginn ein Buch in die Hände fiel, das ich noch zu seinem Ende hin nicht aufhören will, zu lesen: Endloser Sommer – Ein literarischer Surftrip ist in diesem Jahr beim Tropen Verlag erschienen. Frisch aus der Druckerei angespült, habe ich es aufgelesen; der Titel ist mir ins Auge gesprungen, die Aufmachung auch und meine Hände wollten es nicht mehr weglegen, weil es ein schönes Format hat, das ihnen gut liegt.

Erneut brach eine Welle der Neugier über mich herein, dieses Mal schwappte sie in Etappen daher; in Geschichten, die die Geschichte des Surfens nacheinander spannend auftürmen. Geschrieben von Surfern, Surfbewunderern, Surfsehnsüchtigen und Surfversuchern – gegenwärtige Autoren und Autoren der Weltliteratur, wie Mark Twain oder Jack London, kommen darin zu Wort, ebenso Abenteurer der Weltgeschichte wie Captain Cook. Den Anfang machen die Ureinwohner von Hawaii, ein Ende ist nicht in Sicht. Das Surfen ist so eine endlose Geschichte, oder eben das, »was man meint, wenn man über das Surfing-Leben redet«:

»Es ist, als ob man alles mit anderen Augen wahrnimmt, plötzlich sehen nicht mehr alle Wellen gleich aus, es gibt nun runde langsam brechende und steile schnell brechende, Wellen die nach links laufen und welche die nach rechts brechen…als würde man in einer anderen Welt leben.« (aus: Das erste Mal von Thomas Lange)

Das Surfphänomen ist so unbeschreiblich, dass es eigentlich nichts dazu zu sagen gibt:

»Drei Stunden mit der tollsten Brandung in deinem Leben sind einfach nur das – nichts, worüber man etwas erzählen könnte. Man geht raus, kommt rein, surft und verbringt den größten Teil der Zeit mit Treibenlassen, Warten, Herumfahren.« (aus: Surf von Daniel Duane)

Und das Surfgefühl bleibt unerklärlich, absolut »mysterioso«:

»Die Surfer…benutzen das Wort mysterioso ziemlich häufig. Es bezieht sich auf das Geheimnis des Allmächtigen Dräuenden Pazifischen Ozeans und all das. Manchmal starrt einer hinaus auf die Brandung und sagt: „Mysterioso“.« (aus: Die Pump House Gang von Tim Wolfe)

Das Buch macht eine Surf-Safari, in endlosen Sommern stöbernd und erzählend. Dabei prasselt die Welt des Surfens auf mich nieder, in Filmen wie Gidget (Paul Wendkos) und The Endless Summer (Bruce Brown), der Surfgitarre von Dick Dales und der Musik von den Beach Boys, der Comic-Figur Silver Surfer, den Büchern Nacht über Surf City und Wo Legenden sterben von Kem Nunn, Auf der Suche nach Captain Zero von Allan C. Wesbeckers, Surf von Daniel Duane, Die Pump House Gang von Tom Wolfe und in Namen wie Duke Kahanamoku und vieles und vielen mehr.

Auf den letzten Seiten ist ein Surfinary, in dem sich Surf-Begriffe in hawaiianischer, deutscher und englischer Sprache tummeln; eine kleine Auswahl:

Nalu – Brandung, Ozean, Welle; Nalunalu – hoher Seegang

Kaí emí, nalu míkí  zurücklaufende Welle; Kaí pí´í, nalu pu – hohe Welle; Kaí po´í, nalu ha´í  sich brechende Welle

Cowabunga! – euphorischer Ausruf eines Surfers, nach einem guten Ritt zum Beispiel

Duck dive – mit dem Brett unter der Welle durchtauchen, um hinter der Brandungszone aufs offene Meer zu gelangen, um dort im Line-up auf dem Brett zu sitzen und auf die Wellen zu warten

heʻe nalu – surfen; im Green Room, dem Tunnel, der entsteht, wenn sich eine hohe Welle überschlägt

Und nach jedem Wipe-out von der Welle geworfen werden, folgt ein Takeoff Beginn eines Wellenritts

»Ziehe deine Kleider aus, in diesem milden Klima sind sie doch nur lästig. Gehe hinein und ringe mit dem Meer; beflügle deine Fersen mit all dem Talent und der Kraft, die in dir wohnen; stürze dich in die Brecher, meistere sie und reite auf ihnen, wie es sich für einen König gehört.«

In München höre ich, während ich an diesem Beitrag schreibe, von einem Ort für Surfer außerhalb der Wellen – ein endloser Sommer nimmt weiter seinen Lauf. Ich beschließe, diesen Fleck der Welt bald aufzusuchen, dem ewigen Mythos weiter hinterher zu jagen. Es ist ein endloses Hin und Her mit dem uferlosen Ziel: Pae í ka nalu die Welle bis zum Strand zu reiten. Cowabunga!

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Titel: Endloser Sommer – Ein literarischer Surftrip; Herausgeber: Ralf Chudoba und Michael Zöllner; Tropen Verlag;  231 Seiten

Bild oben: aus Endloser Sommer

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