» Es regnet noch immer. «

Also lese ich wieder einmal in Anaïs Nins Tagebuch und stöbere durch ihr Leben, damals in New York, mit Blick nach draußen, auf die untertauchende Welt und ein Zitat, aufgeschrieben von ihr am 15. Juli 1919:

» Es gibt eine Traurigkeit der Jugend […] ein Fieber des wütenden Staunens darüber, daß die Welt so banal enttäuscht und daß das Leben so schnell nach Mißerfolg aussieht. Sie ist vielleicht schwer zu erklären, aber sie beinhaltet um so mehr Erschöpfung und Sehnsucht, weil derjenige, der auf diese Weise bedrückt ist, das undeutliche Gefühl hat, daß es der Vernunft und der Natur zuwiderläuft, von der Fröhlichkeit der Freude abgeschnitten zu sein, lebensmüde zu sein, noch ehe das Leben begonnen hat. «

Henry van Dyke – The Lost World


liebeleicht

 

bevor wir uns leichttun

leichtherzig leichtsinnig leichtlebig sind

machen wir es uns schwer

sind lieber schwerfällig

anfällig abfällig ausfällig

leichtfertig

 

IMG_0830

 


verdichtet

 

 

auf ein wort

im versgeflecht verdichtet

bin ich buchstäblich benommen

von silben aus gold

will ich mir keinen reim daraus machen

img_0435


im hinblick auf das meer

 

ichammeer

 

mich nach etwas sehnend

was sich mit bloßem auge

nicht erkennen lässt

komme ich nicht umher

mich in etwa zu fragen

ob der blick ins nichts

fortführt

oder festhält

um sich mit etwas zu füllen

und sei es nur ein gedanke.

 

 

 

Foto: Cindy Ruch


schreibnummer 26

»…zu schreiben, wie man denkt, in der Ordnung und Unordnung, in der man denkt und fühlt, Eindrücken zu folgen und absurden Wechselbeziehungen zwischen Ereignissen und Bildern, vertrauensvoll einzutreten in Bereiche, in die sie uns führen. Der Kult des Wunderbaren.«

(Die Tagebücher der Anaïs Nin)

 

IMG_20150904_090203


vierzehn vor neun

kurbel an verspultem band. ein wahres unterfangen nicht zum trotz am laufen halten, was zum erliegen kam. daher klebt wie kaugummi nicht vom fleck. puls zuckt. im überschuss fließt es so dahin. strippenzieher. fast wärs zu weit in gang gekommen. das sieht dann gleich so anders aus. schon möglich, dass bei all dem geplänkel niemals etwas angekommen ist. also folgen auch die taten nicht. auf ein wort. wenn sich diese uhr nicht ewig auf dem zeiger stehen würde, wär vierzehn vor neun doch ganz passabel. um nicht zu sagen gut. volle beidseite.

im sekundentak tak tak.

 

IMG_20160510_165359


nichts zu beschreiben

 

von nichts kommt nichts

und von nichts geht nichts

voneinander aus.

es gibt nichts neues

um nebeneinander nichts zu sein

wir verschwinden mit nichtigkeit

verschwenden worte

wo nichts ist

weil nichts sein soll.

von nichts kommt nichts

und von nichts geht nichts

aus

erst recht nichts

aufeinander ein.

 

IMG_20160422_093151