songday #eins: Garden Of Potential

 

Wolf & Moon hören…und dahinträumen.

 

 

Ich bin weg, bin einfach drauf los, am Meer, mit Sonne, überall, Wind im Gesicht, Weitblick, Flügel, die wachsen.

 

IMG_20150917_084636

 


»I should probably read more books« Jonas Alaska sound so.

jonas-alaska-younger-press-5-credits-jesper-spanning-kleiner

2017 beginnt mit einem Blick in den Rückspiegel, auf die Rückbank – In the Backseat mit Jonas Alaska. Der 28jährige Singer-Songwriter stammt nicht aus Alaska, aber aus ebenso kalten Gefilden; aus Norwegen. Dort ist er mit seinen drei Alben Jonas Alaska (2011),  If only as a ghost (2013) und Younger (2015) längst bekannt. Letztens war Jonas Alaska in Berlin, im Auster Club. Meine Fragen beantwortete er vor dem Konzert spontan per E-Mail. Seine Musik klingt nicht nach kalt, sie klingt nach warm, nach Umherhüpfen, nach Kopfwippen, nach Füßewackeln. Nach beschwingt in ein neues Jahr tanzen. Nach sich selbst nahe sein: In the backseat, you can find out who you are…

schreibstation: Why do you make music?

Jonas Alaska: Because I like doing it. I’ve always liked music and I’ve always liked creating things.

schreibstation: Do you write the lyrics yourself?

Jonas Alaska: Yes, I write them myself.

schreibstation: What make great lyrics for you?

Jonas Alaska: When people find a new angle to a common theme. And I like people who are good with hidden rhymes and stuff like that.

schreibstation: How do you come up with the lyrics?

Jonas Alaska: In different ways. It’s usually when I see a different angle to something I’ve been thinking about for a while. I write down new words and sayings when I hear them in movies and series. The best lyrics just show up out of nowhere though.

schreibstation: What is the importance of lyrics in your music?

Jonas Alaska: I think it is very important. And I like that it is a big part of my act but I need good chords and melodies for the lyrics to work.

schreibstation: Does literature influence your writing?

Jonas Alaska: It does, to some degree I think. I’m reading Madame Bovary by Flaubert at the moment, not sure if there is gonna come any song from that. But I’m sure reading books expands my imagination. I should probably read more books.

schreibstation: What is the story behind In the Backseat?

Jonas Alaska: I wrote it when I was living in Liverpool. The chorus just popped into my head and I wrote the verses around that. I’ve always, since I was a child, liked sitting in the backseat of a car and collect my thoughts. It’s the perfect place to do that.

schreibstation: Is there a favourite line in the song?

Jonas Alaska: It’s a long time since I wrote it so it’s hard to remember what I was thinking but I kind of like the second verse with the liars, the losers and everyone playing in bands.

In the Backseat – reinhören und rauslesen:

I’ve been a lot to the movies lately
The last one ruined my heart
I saw the world go down and under,
Everything just fell apart

But in the backseat,
In the backseat of the car
What a place to think things through
In the backseat,
You can find out who you are,
And decide what you should do

When a horrible night is over,
And I’ve got dirt on my hands
I’m so sick of the liars,
The losers and everyone playing in band

But in the backseat,
In the backseat of the car
What a place to think things through
In the backseat,
You can find out who you are,
And decide what you should do

Oooh, oh, oh, oh, oooooooh
Oooh, oh, oh, oh

Been alone for a long, long time now
I’ve been sleeping all day
I’ve been sitting on my bed
Alone without anything good to say

But in the backseat,
In the backseat of the car
What a place to think things through
In the backseat,
You can find out who you are,
And decide what you should do

Foto: Jesper Spanning


»Der Text schmiegt sich an die Melodie an« Carmina Reyes und MANU sound so.

 

 _DEC6890_12

Carina und Manu leben in München und musizieren mal gemeinsam, mal solo als Carmina Reyes und MANU. Die Musik hat sie zusammengeführt; seit zweieinhalb Jahren sind sie ein Paar. Sie klingt gern verträumt, er vielseitig. Der Song Train to a better Home liegt beiden am Herzen.

schreibstation: Warum macht ihr Musik?

Carina: Ich habe als Kind schon viel gesungen und gelernt, Gitarre zu spielen und dann habe ich auch in verschiedenen Bands gesungen. Mit der eigenen Musik hat es aber so richtig erst angefangen, als ich nach München gekommen bin. Da habe ich entdeckt, dass die eigenen Songs für einen selbst viel schöner sind.

Manu: Ich bin mit Musik aufgewachsen, deshalb gehört sie einfach zu meinem Leben dazu. Ohne Musik zu leben, wäre schrecklich. Das geht gar nicht anders.

schreibstation: Ab und an macht ihr gemeinsam Musik. Warum?

Manu: Weil wir auch privat viel Zeit miteinander verbringen (lacht) und dementsprechend machen wir immer wieder gemeinsam Musik. Das ergibt sich einfach so.

Carina: Wir haben auch erst zusammen Musik gemacht, so haben wir uns kennengelernt. Wir waren bei vielen Open Stages und irgendwann hatte jeder auch eigene Konzerte und so ging es dann eigentlich erst richtig los mit der eigenen Musik auf der Bühne.

schreibstation: Warum schreibt ihr eure Songtexte selbst?

Manu: Ich habe lange Zeit Jazz gemacht und meistens die Kompositionen von anderen Leuten gespielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das nicht mehr reicht. Ich wollte mich persönlicher ausdrücken und eigene Texte und Melodien zu schreiben, war die Lösung. Das hat mich dann total eingenommen.

Carina: Bei mir ist es ähnlich. Ich kann nur so meine Gefühle ausdrücken und meine Gedanken ordnen.

schreibstation: Wie entsteht ein Song?

Carina: Ich sitze zum Beispiel in der U-Bahn oder zu Hause und mir fällt irgendein toller Satz auf oder ein. Dann entsteht ein Workflow und ich schreibe einen Text und nehme die Gitarre dazu. So entsteht dann ziemlich schnell ein Song. Oder es gibt auch die andere Variante: der Text schmiegt sich an die Melodie an. Meistens existiert bei mir aber erst der Text.

Manu: Bei mir ist es unterschiedlich. Mir fällt entweder erst ein Gitarrenriff oder eine Akkordfolge ein oder ich schreibe einen Text. Ich finde es sehr spannend, wie Songs entstehen können, deshalb probiere ich aus. Es gibt so viele Wege, wie man einen Song schreiben kann. Man kann sich auf ein Gefühl konzentrieren oder auf einen Titel. Oder auf eine Melodie oder auch nur auf die Akkorde. Oder auch einfach auf ein Geräusch.

schreibstation: Wie entsteht ein gemeinsamer Song?

Carina: Meistens ist es so, dass einer von uns schon die Idee hat und wir denken sie dann gemeinsam weiter. Wir haben auch schon Texte zusammen geschrieben, aber es ist einfacher, allein zu schreiben.

Manu: Es ist schwierig, im Nachhinein dasselbe Gefühl aufzunehmen, das der andere während dem Schreiben hatte. Aber ich hatte zum Beispiel mal nur eine Melodie und Carina hat dann den Text dazu geschrieben.

schreibstation: Welche Rolle spielt der Text in eurer Musik?

Carina: Für mich ist er sehr wichtig. Ich mache mir viele Gedanken darüber, ob er so ankommt, wie er ankommen soll. Es ist ja immer eine Geschichte, die man erzählen will und da ist es spannend, zu sehen, wie sie aufgenommen wird.

Manu: Der Text ist für mich immer noch so eine neue Sache, eine andere Dimension. Dadurch erhalten Melodien, die ich vielleicht vor Jahren schon gespielt habe, eine komplett neue Bedeutung.

schreibstation: Was macht einen guten Songtext aus?

Manu: Manchmal kann ein guter Songtext nur drei Wörter haben und so genau richtig für einen Song sein. Manchmal muss er aber auch eine ganze Geschichte sein. Der Text sollte Hand in Hand mit der Musik gehen und er muss etwas beim Zuhörer auslösen, egal was. Natürlich lieber schöne als schlechte Gefühle, aber er muss etwas bewegen.

Carina: Ich finde einen Songtext dann gut, wenn sich dir die Geschichte des Songs dadurch öffnet. So, dass du direkt mitfühlen kannst. Wenn der Text dich sozusagen in die Atmosphäre des Songs mitnimmt.

schreibstation: Beeinflusst Literatur eure Musik?

Manu: Ja. Ich lese genau aus diesem Grund fast ausschließlich englische Bücher, weil ich auch englische Songtexte schreibe und das hilft mir dabei.

Carina: Ich lese auf Englisch und auf Deutsch. Gerade lese ich zum Beispiel Fiesta von Hemingway. Die englischen Bücher bringen eben diese Effekte, diese Wörter und Sätze, die einen zu Songtexten inspirieren.

schreibstation: Wer hat Train to a better Home geschrieben?

Carina: Ich habe den Song geschrieben. Das war letzten September, da saß ich zu Hause und habe im Fernsehen die Flüchtlingskrise verfolgt. Das waren so viele Eindrücke, die musste ich einfach rausschreiben. Ich wollte mich reinfühlen, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen und sich auf so einen langen und ungewissen Weg zu machen.

Manu: Ich habe den Song dann gehört und dachte mir erst ach schön, so typisch Carina (lacht). Dann hatte ich den Song die ganze Zeit im Ohr und habe drüber nachgedacht und sie gebeten, ihn aufzunehmen. Der Song hat mir so gut gefallen, dass ich fand, wir müssen damit etwas machen. Der durfte nicht einfach in der Schublade verstauben.

Carina: Ich wollte ihn erst nicht veröffentlichen, weil es eben so ein ernstes Thema ist. Aber Manu hat mich dann davon überzeugt. Und er hat den Song auch noch verfeinert und ihn zum Beispiel mit dem Klavier noch schöner gemacht.

schreibstation: Wo kann der Song gehört werden?

Manu: Wir haben ihn auf Bandcamp hochgeladen und auch eine Organisation gesucht, German Alliance. Die fahren dorthin, wo es wirklich brennt und jeder kann mitfahren und helfen. Carina ist auch schon mitgefahren. Auf der Webseite der Organisation kann der Song auch angehört werden und man kann dadurch spenden.

Carina: Ich habe den Song auch schon bei ein paar Konzerten gespielt, oder wir gemeinsam. Das war jedes Mal sehr emotional, für uns und die Zuhörer.

Manu: Es ist ja auch so, dass sich viele damit identifizieren können. Der Song spricht nicht nur die Flüchtlingskrise an, sondern generell alle Menschen, die sich ein neues Zuhause suchen müssen oder sich ein besseres Zuhause wünschen.

schreibstation: Habt ihr eine Lieblingszeile im Songtext?

Carina: Ich mag den Schluss am liebsten, also den Teil, den ich ohne Musik singe.

Manu: Und ich mag, in Verbindung mit der Melodie, den Satz: Humans like you and I. Das ist die Kernaussage für mich.

 

Train to a better Home – reinhören und rauslesen:

 

 

So many people in the world

Getting lost and getting hurt

Things are changing overnight

Humans like you and I

Like you and I

 

So many people on their way

Looking for a safer place to stay

All the things seemed so right

Got lost in the fight

In the fight

 

And now you go

Taking the train to a better home

And you don’t know

Wondering where you belong

And now you go

With your heart full of hope

Sometimes you weep sometimes you cry

You hope to find a better live

Sometimes it’s hard to say goodbye

 

Many things that just turned wrong

Lost your house and a friend through a gun

Fences standing in your way

While you search for a place to stay

To stay

 

And now you go

Taking the train to a better home

And you don’t know

Wondering where you belong

And now you go

With your heart full of hope

Sometimes you weep sometimes you cry

You hope to find a better live

Sometimes it’s hard to say goodbye

 

Bury all those weapons in the sand

Free these people, free this land

Make this place a home again

Free these people, free this land

Bury all those weapons in the sand

Free these people, free this land

Bury all those weapons in the sand

Free these people, free this land

Make this place a home again

Free these people free this land

Bury all those weapons in the sand

Free these people free this land

 

You see I’m just a little girl

Have not much to say in this cruel world

But if a song could change a heart

I made a start

I made a start

 

INFO: Carmina Reyes kann in München am 29. April beim Singer & Songwriter Abend im My Fable, am 30. April im Rahmen der Langen Nacht der Musik im busner.s  und am 22. Juli  beim Thalkirchner Sommerfest gelauscht werden. MANU tritt am 7. und 8. Mai auf dem Weingut Meine Freiheit in Darmstadt und am 4.Juni bei den Frontstage Concerts in Peiting auf.

 


»Without lyrics, my music would mean nothing« – Stu Larsen sound so.

Stu

Stu Larsen kommt aus Australien und bereist seit Jahren die Welt. Ein festes Zuhause hat er nicht; er zieht mit seiner Musik umher – sie zieht ihn fort, wie er in seinem Song The Mile beschreibt. Er kehrt aber auch wieder mit ihr zurück. Ich habe ihm Ende 2013 das erste Mal in München gelauscht. Seither war ich bei mehreren seiner Konzerte auf verschiedenen Bühnen in der Stadt. Einmal ist er dabei mit seinem guten Freund Mike Rosenberg alias Passenger aufgetreten, der auch sein aktuelles Album Vagabond (2014) produziert hat. Zuletzt habe ich im Frühjahr sein Konzert in Kopenhagen besucht und mich dort mit ihm über das Interview unterhalten. Seine Antworten hat er mir dann von unterwegs geschickt; ich weiß nicht genau, von wo. Ich weiß aber, dass ich seine Musik immer wieder gerne höre und auch, dass Thirteen Sad Farewells nach wie vor mein liebstes Lied von ihm ist.

schreibstation: Why do you make music?

Stu Larsen: Because it feels right. I love seeing the world and singing about it.

schreibstation: Do you write the lyrics yourself?

Stu Larsen: Yes. If I am the person singing the songs, I want to believe every word and sing from my heart.

schreibstation: How do you come up with the lyrics?

Stu Larsen: I usually just think about what I want to say and start to play guitar and write a song.

schreibstation: Are you often talking about your lyrics?

Stu Larsen: Not really, I think once I write the song I like it to speak for itself. Sometimes I’ll tell a story to give the song context, but mostly I like to let the lyrics do the work.

schreibstation: What makes great lyrics for you?

Stu Larsen: When a story is told in a way that you maybe haven’t heard before.

schreibstation: Does literature influences your writing?

Stu Larsen: I don’t read many books. My songs are inspired by real life experiences I have had along the way.

schreibstation: What is the importance of the lyrics in your music?

Stu Larsen: Without lyrics, my music would mean nothing. With meaningless lyrics, I would not want to do what I do. Lyrics are of paramount importance.

schreibstation: What is the story behind The Mile?

Stu Larsen: It’s about growing up on a farm where the mailbox was one mile away at the end of the driveway. I always wanted to leave and explore but I never really went further than the end of the driveway. The song is about dreaming of bigger things but at first, not really knowing how to get there. I eventually found a way.

schreibstation: Is there a favourite line in the song, you like to sing?

Stu Larsen: »I’ve only got one pair of shoes comforting these weary feet, because a man who owns too much is like a song without a beat, left feeling incomplete.«

The Mile – reinhören und rauslesen:

i had never seen the snow

never sailed upon the seas

i was busy making plans

to build a fortress in the trees

i’d ride my bicycle

down the lane and back again

talking to the birds and my

imaginary friends

and i’d want to run away

go as far as i could see

but i’d always turn around

to find familiarity

right where it should be

i’ll be gone, running on the mile

oh my love, is there hope for yesterday?

cos i’m following my heart

and it’s taking me away

i am moving on, i do not know where i will go

but i’m beckoned by the sky

in the river down below

i’ve only got one pair of shoes

comforting these weary feet

cos a man who owns too much is like a song without a beat

left feeling incomplete

i’ll be gone, running on the mile

oh my Lord, running on the mile

Thirteen Sad Farewells – reinhören und mit mir genießen:


verhört eins: Fingerstyle von Pan Chimzee

LJ3NP7BN

Anfang September habe ich Pan Chimzee in Berlin gelauscht; er spielt Acoustic Fingerstyle Guitar. Seine EP Peace of Mind läuft seither oft – nebenbei während ich lese, im Hintergrund während ich schreibe, im Vordergrund wenn ich mich immer wieder daran verhöre. Da musste ich ihm einfach ein paar Fragen stellen.

schreibstation: Erzähl von dir!

Pan Chimzee: Ich bin 21 und lebe als freischaffender Künstler in Berlin. Geboren wurde ich im tiefen Süden Bayerns, der Drang zum Ausleben meiner Musik und die Freude am Straßenmusizieren haben mich allerdings in die Hauptstadt geführt. Hier reist meine Musik vom Park auf die Straße, in die Restaurants und Bars, ins Theater, durch Clubs, zu Hochzeiten, vor Fernsehkameras, zu Festivals, ins Studio für meine erste EP im Februar 2015 und gerne immer wieder auch zurück in mein Wohnzimmer – einatmen, ausatmen und los in die zweite Runde. Neben dem Solospiel auf der Gitarre mag ich auch das gemeinsame Musizieren sehr. Ich spiele hin und wieder auch Percussion, Xaphoon, Cello oder Keyboard. Oder aber ich wechsle die Position und widme mich aktiv dem Musikhören. (lacht)

schreibstation: Seit wann spielst du Gitarre und was bedeutet es für dich?

Pan Chimzee: Ich würde behaupten, mein Bruder hat eine große Rolle dabei gespielt, die Musik und vor allem das Musizieren für mich zu entdecken. Auch mein Vater hat früher Gitarre gespielt und gesungen, ich habe immer gern zugehört und dazu getanzt. Der Klang der Gitarre ist mir also schon immer sehr nahe und vertraut und die Musik ist schon lange ein guter Freund. Etwa als ich 13 war, wollte ich mir mit einem Freund ein Schlagzeug teilen. Aber obwohl es einen Platz bei mir zu Hause im Keller gefunden hat, vertiefte nur er sein Interesse am Drumkit und der Welt der Percussion, ich hingegen wandte mich dem Gitarrenspiel zu. Mein Bruder hat mir einfache Lieder beigebracht und als ich im Internet dann auf Videos von den Gitarristen Erik Mongrain, Michael Hedges und Andy McKee gestoßen bin, habe ich mir in den Kopf gesetzt, eines Tages ihre Lieder spielen zu können. Ich habe mich also an meine Gitarre gesetzt und mich darin geübt, Kompositionen nach Gehör zu lernen. Seitdem ist die Gitarre mein ständiger Begleiter, mein Mittel zur Kommunikation. Sie bescherte mir schon zahlreiche Abenteuer, ebnete mir den Weg zu neuen Freunden und lässt mich immer wieder an schöne Erinnerungen zurückblicken.

schreibstation: Wie übst du denn?

Pan Chimzee: In Eigenregie. Das hat den tollen Effekt, dass du selbst Lehrer und Schüler zugleich bist – Erwartungen an mich selbst hatte ich daher nie. Das Lernen neuer Lieder macht mir immer Spaß. Wenn er aber manchmal verschwindet, lege ich das Instrument weg und mache erst Tage später weiter. Andererseits verliere ich beim Herumalbern mit der Gitarre auch gerne das Zeitgefühl und finde mich dann Stunden später mit leerem Magen in einem dunklen Wohnzimmer mit neuer Komposition wieder. (lacht) Ich versuche vor allen Dingen den Spaß am Spielen immer zu bewahren. Wenn mir also eine Woche lang nicht nach Gitarre spielen ist, dann ist das eben so. Nach der Pause kehrt man dafür mit neuen Ideen, freiem Kopf und alter Freude zurück. Vor Auftritten spiele ich also manchmal ganz gezielt nicht, damit die Vorfreude wächst und wächst!

Acoustic Fingerstyle Guitar von Pan Chimzee klingt so:

Info: Pan Chimzee ist ab November mit einer Konzertreihe in Berlin unterwegs! Jeden ersten Sonntag findet die Berlin Acoustic Guitar Nights im Prachtwerk (Ganghofer Str.2, Neukölln) statt – er und der australische Gitarrist Geordie Little laden dazu immer zwei neue Gitarristen und Gitarristinnen aus aller Welt ein. Im Zuge der Holy Grail Guitar Show in Berlin (31.10. bis 01.11.) startet die Konzertreihe am Sonntag, 1.November um 19 Uhr.

 

 


mit Musik

Die schreibstation hat nun ein Anhängsel, ein +1 auf der Über-was-ich-berichte-Liste, ein »mit«: Literaturblog mit Musik. Die Interview-Reihe sound so verbindet die beiden nun schon seit einigen Monaten, nun hat die Musik eine eigene Kategorie – weil ich schreibe und lese und lausche und singe. Ich frage mich auch weiterhin durch die Songtexte und wer weiß, was sich zukünftig noch so anspielt und was mir dazu einfällt…eine erste weitere musikalische Unterkategorie entsteht jedenfalls schon; ein erster Beitrag folgt bald in verhört:

Es ist dieser Moment auf Konzerten, in dem ich mich wohl verhöre: wenn ich mich bis über beide Ohren verliebe in eine Musik und der Welt mitteilen will, was meine Welt bespielt: ein Song oder gleich ein ganzes Album – ihr werdet hier davon hören.

IMG_20150917_084636


»Ich bin keiner, der Geschichten erzählt« – The Marble Man sound so.

TMM_solo2

Letztens, an einem lauen Sommernachmittag, habe ich mich mit Josef Wirnshofer alias The Marble Man an der Münchner Freiheit getroffen. Wir haben uns gemeinsam auf die Suche nach einem Café gemacht und während die Wespen um unsere Gläser kreisten, drehte sich unser Gespräch um seine Musik, die sich seit der ersten Platte Sugar Rails (2007) und der zweiten Platte Later, Phoenix… (2010) verändert hat. Haidhausen (2013) wurde als Bandalbum aufgenommen; mit dabei sind Jonas Übelherr, Boris Mitterwieser, Michael Zahnbrecher und Daniel Mannfeld. Die Songtexte tragen weiterhin die Handschrift von Josef, der Sound ist schwerer, sperriger – wie bei dem Song Field Study zu hören ist.

schreibstation: Du und die Musik, wie ist es dazu gekommen?

The Marble Man: Über die Beatles. Als Kind habe ich ganz klassisch Blockflöte und Akkordeon gelernt und mir danach eigentlich geschworen, nie wieder Musik zu machen, weil ich das ganz entsetzlich fand. (lacht) Als ich ungefähr zehn war, hat mir meine Tante aber eine Beatles-CD geschenkt, das hat mich ziemlich gepackt. Ich hatte Lust, Gitarre zu lernen und habe angefangen, Songs zu schreiben. Irgendwie wurde das zu einem selbstverständlichen Teil von meinem Alltag, die meiste Zeit zwischen 13 und 18 habe ich mit Aufnehmen verbracht.

schreibstation: Seit wann spielst du mit einer Band?

The Marble Man: Das hat sich nach und nach ergeben. Die ersten beiden Platten habe ich zwar alleine aufgenommen, live bin ich aber seit dem ersten Album mit Band unterwegs. Daniel, der Gitarrist, und unser Schlagzeuger Jonas waren schon 2007 bei der Sugar Rails-Tour dabei, kurz danach kam Boris am Bass dazu, 2009 dann Michael am Klavier. Ich fand es immer gut, wie die Jungs die Stücke live auf ihre Art interpretiert haben. Nach dem zweiten Album wollte ich, dass das auch im Studio passiert. Deshalb war bei der Haidhausen klar, dass es ein Band-Album wird.

schreibstation: Warum The Marble Man?

The Marble Man: Weil ich zu der Zeit, als ich einen Namen gesucht habe, sehr viel Nico gehört habe. Ihr Album The Marble Index hat mich damals stark beeindruckt. Ich wollte das aber nicht einfach übernehmen, also habe ich The Marble Man gewählt.

schreibstation: Schreibst du deine Songs nach wie vor selbst?

The Marble Man: In der Regel schreibe die Songs nach wie vor ich, die Ausarbeitung im Proberaum machen wir gemeinsam. Manchmal gibt es aber Songs, die wir zusammen schreiben. Field Study zum Beispiel, das ist von Michael und mir.

schreibstation: Und wie läuft das dann ab?

The Marble Man: Meistens nehme ich Demos auf und schicke sie den anderen. Oder ich bringe eine Grundstruktur mit in den Proberaum, an der wir dann weiter arbeiten. Früher habe ich ziemlich konstant an Songs geschrieben. Mittlerweile liegen längere Abstände dazwischen, dafür gibt es Phasen, in denen ich in kurzer Zeit relativ viel schreibe. Tatsächlich kommen mir viele Songs nicht, wenn ich Gitarre spiele, sondern wenn ich durch die Stadt laufe oder im Zug sitze.

schreibstation: Fallen dir dabei dann Texte oder Melodien ein?

The Marble Man: Beides. In erster Linie aber Melodien, die ich dann in mein Handy singe. Bei den Texten ist es eher ein Sammeln. Ich schaue immer wieder in mein Notizbuch, was ich so aufgeschrieben habe. Aber ich bin keiner, der Geschichten erzählt.

schreibstation: Was machst du dann?

The Marble Man: Natürlich ist alles irgendwo eine Geschichte, aber es geht mir nicht darum, mit der ersten Zeile bei A anzufangen und mit der letzten Zeile bei Z aufzuhören. Auf den ersten beiden Alben war das noch anders, da waren die Texte narrativer. Aber es dauert ja auch, bis man seine Sprache gefunden hat. Das entwickelt sich von Platte zu Platte und es gibt auf jedem Album Zeilen, die ich heute nicht mehr schreiben würde. Vor allem kommt es kaum mehr vor, dass ich irgendwas in meinem Alltag erlebe und dann konkret einen Text daraus mache.

schreibstation: Was für eine Rolle spielt der Text dann in deiner Musik?

The Marble Man: Eine sehr ästhetische. Ich finde es spannend, wenn in einem Stück eine bestimmte Stimmung vorherrscht, die der Text dann trägt oder auf einer anderen Ebene widerspiegelt. Ich bin kein Fan davon, wenn Songtexte mir eine Botschaft aufzwingen.

schreibstation: Beeinflusst dich Literatur beim Songwriting?

The Marble Man: Ja, aber weniger der Inhalt, mehr die Methode oder wie ein Text aufgebaut ist. Während wir die Haidhausen aufgenommen haben, habe ich viel Rainald Goetz gelesen. Ich mag das Versatzstückhafte an seinen Texten.

schreibstation: Was ist die Geschichte hinter Field Study?

The Marble Man: Eine Geschichte gibt es eigentlich nicht, es sind einzelne Szenen. Das Stück strahlt eine gewisse Kälte aus und die sollte auch im Text rüberkommen. Mir wurde zum Bespiel mal erzählt, wie einem Soldaten bei der US Army der Sergeant verliehen wird. Der Vorgesetzte ruft ihn ins Büro und brüllt scheinbar »Why are you here, Sergeant?«, der Soldat antwortet »I came to get what’s mine!« Das ist für mich eine ziemlich kalte, schroffe Kraftgeste; die wollte ich in einem Song haben. Zu Field Study hat das dann gepasst. In der zweiten Strophe spricht eine Figur, die einen humorvollen Zynismus verkörpert und sagt: Wenn sie mal alt ist und sich langweilt, will sie Tauben vergiften. Wieder so etwas Kaltes, Abgewandtes, das ich in dem Song haben wollte. Tendenziell haben die meisten Sachen, die ich schreibe, eine gewisse Schwere, etwas Sperriges. Ich weiß nicht, woher das kommt. Man wird natürlich beeinflusst von den Sachen, die man selbst hört. Während der dritten Platte waren das vor allem Nick Cave und die Einstürzenden Neubauten. Alles keine Jahrmarktsmusik.

schreibstation: Hast Du eine Lieblingszeile in dem Song?

The Marble Man: Vielleicht I think I’ll poison pigeons when I’m old and bored ich finde die Zeile zynisch, aber auf eine lustige Art.

Field Study – reinhören und rauslesen:

Dusty pleasures, sulky landscapes: always lie!

No trespassing! Patience drew a matchless eye

and cursed the day when Ymir drank his mother’s milk

You’re but a face above the ground.

‚I think I’ll poison pigeons when I’m old and bored

and market them to rats behind my garden door.

Their ghosts will wait and meet me at the cemetry

and spit upon the ashes of our century.‘

You’re but a face above the ground.

Why are you here, Sergeant?

Well, I came to get what’s mine!

Love is a business and God is a business, I’d trade my life

for a place in the quicksand, a kick on the forehead, a bed of flies

the less the more embarrassing, the more the worse

Ladies and Gentlemen, the unwelcome urge!

You’re but a face above the ground.

Why are you here, Sergeant?

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant?

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant? You’re but a face above the ground.

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant? You’re but a face above the ground.

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant? You’re but a face above the ground.

Info: The Marble Man kann diesen Donnerstag, 17.9., in der Glockenbachwerkstatt in München gelauscht werden und am 26.9. bei der Melodica Night in Wien. Die neueste Single Totem ist als limitierte, handnummerierte Vinyledition ausschließlich bei den Live-Konzerten erhältlich.

Foto: Susanne Steinmaßl