»Musik ist intuitiver« – My Sister Grenadine sound so

Vincenz Kokot hört genau hin: Seine Gedichte liest er laut, um zu hören, was ihnen fehlt. Seine Songs spielt er, um zu hören, was sie zu sagen haben. Seit 2007 besteht sein musikalisches Projekt My Sister Grenadine, das viele Gesichter hat, vor allem aber drei, neben Vincenz (Ukulele, Gitarre, Gesang) das von Frieda Gawenda (Horn, Flügelhorn, Gesang) und Sebastian Kunas (Perkussion, Keyboard, Gitarre, Gesang). My Sister Grenadine ist wandelbar. Sie ist nicht leicht zu fassen und festlegen lässt sie sich auch nicht. Sie hat jedoch viel zu sagen – genau hinzuhören ist also genau richtig.

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Was ist für Dich die Verbindung von Lyrik und Musik?

Der Text! Musik ist keine Lyrik, aber Musik ist lyrisch. Ich mag es, wenn Songtexte so klingen, als wären sie Gedichte. Diesen Anspruch habe ich auch an meine Musik, also Songtexte zu schreiben, die in dem Song toll klingen, aber auch für sich selbst stehen könnten, wie ein Gedicht – nur dass ein Songtext eben kein Gedicht ist.

Warum ist ein Songtext kein Gedicht?

Vielleicht steht der Songtext mehr in Interaktion und Kontext. Er wird von Klang begleitet, wird gesungen, wird vorwiegend live performed. Das Gedicht braucht das alles nicht. Meine Lyrics sind also in diesem Sinne keine Lyrik, sie fühlen sich aber in gewisser Weise so an. Als wären sie eine eigene Form von Gedicht. Und es macht natürlich auch einen Unterschied, Songtexte auf Englisch zu schreiben und Gedichte auf Deutsch. Das ist ein ganz anderer Rhythmus.

Wie entscheidest Du, ob Du ein Gedicht oder einen Songtext schreibst?

Ich glaube, bei Gedichten achte ich mehr auf eine gewisse Präzision der Sprache. Wenn ich nur mit Sprache arbeite, ist das mehr an den Verstand geknüpft. Wenn ich einen Song schreibe, habe ich oft erst die Klänge, die Laute und die Stimmungen, daraus entsteht dann der Songtext. Musik ist intuitiver, Lyrik ist überlegter.

Was war bei Dir zuerst da, die Lyrik oder die Musik?

Ich schreibe schon länger Gedichte, wobei meine ersten Gedichte natürlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Mit 16, 17 habe ich angefangen, Musik zu machen. Meine Familie ist sehr literarisch, es ging immer um Worte, immer um Bücher, es wurde immer geschrieben. Aber es gab auch immer Musik. An meine erste Gitarre bin ich aber eher durch Zufall gekommen. Meine Tante wollte Musiklehrerin werden, das wurde sie dann doch nicht, und ihre Gitarre stand ewig auf dem Dachboden. Als meine Oma umgezogen ist, habe ich die Gitarre dann bekommen und ziemlich schnell angefangen, Songs zu schreiben, und auch, meine Gedichte mit der Musik zu verbinden. Diese Anfänge klangen schrecklich, die habe ich auf dem alten Tonbandgerät meines Opas aufgenommen. Ich habe mir dann über die Jahre einfach alles zusammengepuzzelt, das Gitarrespielen, das Schreiben, den Gesang. Das hat dann einfach alles irgendwann zu mir gehört. Aber es hat lange gedauert, bis ich dieses Selbstbild verinnerlicht hatte, dass ich nun Musiker oder Künstler bin.

Wann ist ein Songtext ein guter Songtext?

Meist sagt mir der Text, wann er gut ist. Es gibt Texte, die sehr schnell fertig sind, Texte, an denen man ewig arbeitet, Texte, die sich ständig verändern. Das ist sehr unterschiedlich und nichts ist ausgeschlossen. Es gibt Zeilen, die jahrelang rumliegen und plötzlich passen sie perfekt zu einem Song. Manchmal ändere ich auch hier und da noch ein Wort bei einem Auftritt oder bei der Aufnahme. Ich mag es, wenn sich meine Lyrics immer mal wieder verschieben.

Und wie entsteht ein Song für My Sister Grenadine?

Die Grundstruktur schreibe ich, also die grundlegende Komposition und den Text, und dann überlegen wir uns die Arrangements zusammen in der Band. Die Struktur verändert sich dann oft noch, mal spielen wir etwas kürzer, mal etwas länger oder wir bauen noch ein paar Teile ein. Das ganze Projekt hat sich ja seit 2007 auch immer wieder verändert, es steht sozusagen in einem beständigen Wandel, und das nicht nur hinsichtlich der Songtexte.

Warum My Sister Grenadine?

Ich mochte das Wort grenadine einfach und wollte es mit einer fiktiven Person verknüpfen. Ich wollte jemanden beschreiben. Und diese Person auch immer mal wieder verändern. Und irgendwann ist so ein Name auch einfach ein Selbstläufer, dann ändert man ihn auch nicht mehr.

Wie würdest Du Eure Musik beschreiben?

Es ist Musik, die Aufmerksamkeit fordert, die minimalistisch arbeitet, die sehr mit dem Publikum verbunden ist. Es gibt keinen klassischen Aufbau. Alles ist ein bisschen schräg, seltsam, sonderbar, aber eben auch Popmusik. Und eine wichtige Rolle spielt auch, dass wir mit unserer Wirkung auf der Bühne arbeiten, mit Bewegungen und Ausdruck, mit performativen Elementen.

Was will der Song Survival Kit sagen?

Survival Kit handelt von verschiedenen Menschen und von der verkorksten Art und Weise, wie Menschen sich verpassen, wie sie miteinander und doch ohneeinander sind, auch wie sie sich verletzen. Es gibt die Stelle, an der jemand im Kühlschrank sitzt und jemand anders losfährt, um einen Schlafsack zu holen, damit derjenige im Kühlschrank nicht friert. Das ist dann das Survival Kit, daher der Titel. Der Song erzählt vielleicht auch davon, dass gerade das Gefühl von Nähe und Verbundenheit auch der Grund sein kann, warum Menschen nicht zueinander finden.

Hast Du eine Lieblingszeile?

Da ist schwierig. Ich hoffe, dass der Song starke Bilder hat, die mit wenig viel erzählen. Und ich singe das Ende gerne, diese Wiederholung von Could you please stand in line, would you stand in line

 

Survival Kit – reinhören und rauslesen:

 

https://mysistergrenadine.bandcamp.com/track/survival-kit

 

so how long since she

managed not to break your nose

and how short until

that day is long ago

 

I took the stairs up while

you waited for the elevator

to come down

 

could you please calm down

 

and how long since she

dropped no coins on

a kitchen table

some water was boiling

 

you took the long way through

the bathroom door

I stood there on a window sill

trying not to look down

 

could you please keep still

 

so how close to the

orange suburban skies

and how far from her

pulse running out of time

 

you stayed in the refrigerator

without a survival kit

I focused on the map to get where

they are selling sleeping bags

 

could you please stand in line

would you stand in line

could you please stand in line

would you

could you

 

My Sister Grenadine in Aktion:

 

My Sister Grenadine live: 7.12. Bielefeld / House Show; 8.12. Hamburg / Warenwirtschaft; 9.12. Greifswald / Café Koeppen; 14.12. Halle / Lila Drache; 15.12. Leipzig / Horns Erben; 19.12. Berlin / Schokoladen; 11.1. Frydlant (CZ) / Jazzova Osvezovna; 12.1. Stramberk (CZ) / Festival Štramberské pyré

Foto: Benyamin Reich

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»Lyrics can be tricky!« Emma Elisabeth sound so.

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Ich bin etwas früh dran, als ich an diesem Mittwochabend am Treptower Park ankomme, um Betty zu treffen. Einen genauen Ort haben wir nicht ausgemacht, also gehe ich raus aus der S-Bahnstation und schreibe ihr, dass ich an der Bushaltestelle auf sie warte, »Rote Haare und Sonnenbrille« ergänze ich, nur zur Sicherheit. »Will be there in 5 minutes!« kommt prompt zurück und ein Smiley dahinter. Sympathisch. Fünf Minuten später gehen wir Seite an Seite durch den Park, holen uns etwas zu trinken, setzen uns an die Spree, in die Sonne, und sind schon mitten im Gespräch. Betty, eigentlich Emma Elisabeth, kommt aus Schweden, aus der Nähe von Malmö. Seit sechs Jahren lebt sie in Berlin, musikalisch ist sie allerdings schon viel länger unterwegs…

Why do you make music?

Betty: Basically, I never even thought about it. It has always just been like that. My parents do music and we used to play at home. They put me into a choir when I was five and I started playing piano and flute and guitar and I always sang a lot it school. I started writing when I was 16, terrible songs (laughing), but that was the point, I really got into music. And after school I just continued. I studied Music in Stockholm and I started working with a lot of people in different projects and one thing just came to the next.

Have you ever thought of doing anything else?

Betty: No! Not really. I had some other jobs but mostly they also had something to do with creativity and music. Like I gave music lessons to kids for example.

Is there something you do in Berlin besides your own music?

Betty: I do a lot of songwriting together with other people and also for other people, and I teach a bit. As musician you have to be kind of flexible and I think, it helps to have some different projects to make your way. It´s a nice compensation to your own music and it´s inspiration too.

Do you write the lyrics yourself?

Betty: Mostly I write the lyrics myself because the things I want to sing about are always very personal. So as it´s my music, it has to be my lyrics. But sometimes I write together with someone else, just throwing ideas back and forth. But I have to feel connected to the lyrics. It took a long time for me to write songs that really feel sincere. I´s not that easy to find your voice. I found mine while I went through my first breakup, thereby I started to write for real.

What comes first when you write a song, the melody or the lyrics?

Betty: Usually I write the melody first. I play some chords and make a melody out of it. And then I write the lyrics. Sometimes you can have one line and come up with the melody and I know people writing the lyrics first, but I do it the other way around. I´m very much a melody person! The main thing in my songs is the vocal melody. And lyrics can be tricky! They have to sound good, but there are a lot of words meaning cool things, but they don´t sound good.

What makes great lyrics for you besides the sound of the words?

Betty: I don´t like listening to lyrics, which try to be very clever, but I like simplicity in a clever way. Lyrics should not throw everything right in your face. They can be poetic, but they have to be written in a way everyone understands. Music has more heart than brain, so lyrics can be cheesy, but if you mean, what you´re singing, it´s just what you feel. So it´s just honest and I don´t like, when people try to work to much against that. I really enjoy that kind of honesty in lyrics.

How do you come up with the lyrics?

Betty: I gather thoughts! While I travel or just from the experience I make, the things I go through. I write down sentences or words and I go back to this little things for my lyrics. And sometimes I get ideas from movies or things like that.

What brings me to my next question: Does literature influence your writing?

Betty: Yes, it does. It can also give you pictures and feelings. Lately I´ve been reading Murakami or Bukowski and I also love to read biographies from other artists, like Patti Smith or Dolly Parton. All these stories are incredible inspiring.

What is the story behind Where Do Tears Go?

Betty: I started writing the song at night, while I was in Los Angeles. I was just singing something and basically I had the chords when I worked with a friend the next day. We finished the song together.

One day, one song?

Betty: Yes! It was one of these songs which came out quite easily. In that case the melody and the lyrics for the chorus came very simultaneously, and this sentence really stucked on me: Where do tears go when they fall. It´s like an open question. I mean, where do tears go when they fall? What happens to all this sadness when they go away? When something ends, like an emotion. It can just disappear, but what happens to it? Emotions are so strong in one moment and in another one they´re just gone and you don´t understand the situation or you dont´t understand yourself, why you even had that emotion. So you´re left with a lot of questions. It´s one and a half year ago I wrote the song and I wrote about things going on in my life in that moment, but I wasn´t really aware of it. I realized it afterwards. And that´s how it works, there is something inside of you just wanting to come out…

Is there a favorite line you like to sing in Where Do Tears Go?

Betty: There are so many! But I think, it´s the main line.

 

Where Do Tears Go – reinhören und rauslesen:

 

Tonight

I didn’t plan to answer your call

I was alright

Didn’t see it coming

I don’t get you

And I suppose I never will

No I don’t get you

But I want to

 

So would you tell me 

Where do we go when we’re dreaming?

Tell me why we’re leaving

Where do tears go when they fall?

Tell me what it’s good for

Tell me, where did we go?

Where do tears go when they’re gone?

 

Today

Everything took a different turn

Now you say

That you need a little time

I don’t know why

But there’s not much that I can do

No I don’t know why

But I’ll try

 

So would you tell me 

Where do we go when we’re dreaming?

Tell me why we’re leaving

Where do tears go when they fall?

Tell me what it’s good for

Tell me, where did we go?

Where do tears go when they’re gone?

 

I try to read you like an open book

Pages torn out, I don’t know where to look

If I wait right here maybe time will tell

It’s never gonna end up well

 

So would you tell me 

Where do we go when we’re dreaming?

Tell me why we’re leaving

Where do tears go when they fall?

Tell me what it’s good for

Tell me, where did we go?

Where do tears go when they’re gone?

 

Emma Elisabeth live: 24. August Leipzig / Pool Garden; 25. August Mannheim / Brückenaward; 28. August Potsdam / Bar Rueckholz; 2. September Berlin / Wasserfest

 

Foto: Gladsome Fotografie


»I should probably read more books« Jonas Alaska sound so.

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2017 beginnt mit einem Blick in den Rückspiegel, auf die Rückbank – In the Backseat mit Jonas Alaska. Der 28jährige Singer-Songwriter stammt nicht aus Alaska, aber aus ebenso kalten Gefilden; aus Norwegen. Dort ist er mit seinen drei Alben Jonas Alaska (2011),  If only as a ghost (2013) und Younger (2015) längst bekannt. Letztens war Jonas Alaska in Berlin, im Auster Club. Meine Fragen beantwortete er vor dem Konzert spontan per E-Mail. Seine Musik klingt nicht nach kalt, sie klingt nach warm, nach Umherhüpfen, nach Kopfwippen, nach Füßewackeln. Nach beschwingt in ein neues Jahr tanzen. Nach sich selbst nahe sein: In the backseat, you can find out who you are…

schreibstation: Why do you make music?

Jonas Alaska: Because I like doing it. I’ve always liked music and I’ve always liked creating things.

schreibstation: Do you write the lyrics yourself?

Jonas Alaska: Yes, I write them myself.

schreibstation: What make great lyrics for you?

Jonas Alaska: When people find a new angle to a common theme. And I like people who are good with hidden rhymes and stuff like that.

schreibstation: How do you come up with the lyrics?

Jonas Alaska: In different ways. It’s usually when I see a different angle to something I’ve been thinking about for a while. I write down new words and sayings when I hear them in movies and series. The best lyrics just show up out of nowhere though.

schreibstation: What is the importance of lyrics in your music?

Jonas Alaska: I think it is very important. And I like that it is a big part of my act but I need good chords and melodies for the lyrics to work.

schreibstation: Does literature influence your writing?

Jonas Alaska: It does, to some degree I think. I’m reading Madame Bovary by Flaubert at the moment, not sure if there is gonna come any song from that. But I’m sure reading books expands my imagination. I should probably read more books.

schreibstation: What is the story behind In the Backseat?

Jonas Alaska: I wrote it when I was living in Liverpool. The chorus just popped into my head and I wrote the verses around that. I’ve always, since I was a child, liked sitting in the backseat of a car and collect my thoughts. It’s the perfect place to do that.

schreibstation: Is there a favourite line in the song?

Jonas Alaska: It’s a long time since I wrote it so it’s hard to remember what I was thinking but I kind of like the second verse with the liars, the losers and everyone playing in bands.

In the Backseat – reinhören und rauslesen:

I’ve been a lot to the movies lately
The last one ruined my heart
I saw the world go down and under,
Everything just fell apart

But in the backseat,
In the backseat of the car
What a place to think things through
In the backseat,
You can find out who you are,
And decide what you should do

When a horrible night is over,
And I’ve got dirt on my hands
I’m so sick of the liars,
The losers and everyone playing in band

But in the backseat,
In the backseat of the car
What a place to think things through
In the backseat,
You can find out who you are,
And decide what you should do

Oooh, oh, oh, oh, oooooooh
Oooh, oh, oh, oh

Been alone for a long, long time now
I’ve been sleeping all day
I’ve been sitting on my bed
Alone without anything good to say

But in the backseat,
In the backseat of the car
What a place to think things through
In the backseat,
You can find out who you are,
And decide what you should do

Foto: Jesper Spanning


»Der Text schmiegt sich an die Melodie an« Carmina Reyes und MANU sound so.

 

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Carina und Manu leben in München und musizieren mal gemeinsam, mal solo als Carmina Reyes und MANU. Die Musik hat sie zusammengeführt; seit zweieinhalb Jahren sind sie ein Paar. Sie klingt gern verträumt, er vielseitig. Der Song Train to a better Home liegt beiden am Herzen.

schreibstation: Warum macht ihr Musik?

Carina: Ich habe als Kind schon viel gesungen und gelernt, Gitarre zu spielen und dann habe ich auch in verschiedenen Bands gesungen. Mit der eigenen Musik hat es aber so richtig erst angefangen, als ich nach München gekommen bin. Da habe ich entdeckt, dass die eigenen Songs für einen selbst viel schöner sind.

Manu: Ich bin mit Musik aufgewachsen, deshalb gehört sie einfach zu meinem Leben dazu. Ohne Musik zu leben, wäre schrecklich. Das geht gar nicht anders.

schreibstation: Ab und an macht ihr gemeinsam Musik. Warum?

Manu: Weil wir auch privat viel Zeit miteinander verbringen (lacht) und dementsprechend machen wir immer wieder gemeinsam Musik. Das ergibt sich einfach so.

Carina: Wir haben auch erst zusammen Musik gemacht, so haben wir uns kennengelernt. Wir waren bei vielen Open Stages und irgendwann hatte jeder auch eigene Konzerte und so ging es dann eigentlich erst richtig los mit der eigenen Musik auf der Bühne.

schreibstation: Warum schreibt ihr eure Songtexte selbst?

Manu: Ich habe lange Zeit Jazz gemacht und meistens die Kompositionen von anderen Leuten gespielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir das nicht mehr reicht. Ich wollte mich persönlicher ausdrücken und eigene Texte und Melodien zu schreiben, war die Lösung. Das hat mich dann total eingenommen.

Carina: Bei mir ist es ähnlich. Ich kann nur so meine Gefühle ausdrücken und meine Gedanken ordnen.

schreibstation: Wie entsteht ein Song?

Carina: Ich sitze zum Beispiel in der U-Bahn oder zu Hause und mir fällt irgendein toller Satz auf oder ein. Dann entsteht ein Workflow und ich schreibe einen Text und nehme die Gitarre dazu. So entsteht dann ziemlich schnell ein Song. Oder es gibt auch die andere Variante: der Text schmiegt sich an die Melodie an. Meistens existiert bei mir aber erst der Text.

Manu: Bei mir ist es unterschiedlich. Mir fällt entweder erst ein Gitarrenriff oder eine Akkordfolge ein oder ich schreibe einen Text. Ich finde es sehr spannend, wie Songs entstehen können, deshalb probiere ich aus. Es gibt so viele Wege, wie man einen Song schreiben kann. Man kann sich auf ein Gefühl konzentrieren oder auf einen Titel. Oder auf eine Melodie oder auch nur auf die Akkorde. Oder auch einfach auf ein Geräusch.

schreibstation: Wie entsteht ein gemeinsamer Song?

Carina: Meistens ist es so, dass einer von uns schon die Idee hat und wir denken sie dann gemeinsam weiter. Wir haben auch schon Texte zusammen geschrieben, aber es ist einfacher, allein zu schreiben.

Manu: Es ist schwierig, im Nachhinein dasselbe Gefühl aufzunehmen, das der andere während dem Schreiben hatte. Aber ich hatte zum Beispiel mal nur eine Melodie und Carina hat dann den Text dazu geschrieben.

schreibstation: Welche Rolle spielt der Text in eurer Musik?

Carina: Für mich ist er sehr wichtig. Ich mache mir viele Gedanken darüber, ob er so ankommt, wie er ankommen soll. Es ist ja immer eine Geschichte, die man erzählen will und da ist es spannend, zu sehen, wie sie aufgenommen wird.

Manu: Der Text ist für mich immer noch so eine neue Sache, eine andere Dimension. Dadurch erhalten Melodien, die ich vielleicht vor Jahren schon gespielt habe, eine komplett neue Bedeutung.

schreibstation: Was macht einen guten Songtext aus?

Manu: Manchmal kann ein guter Songtext nur drei Wörter haben und so genau richtig für einen Song sein. Manchmal muss er aber auch eine ganze Geschichte sein. Der Text sollte Hand in Hand mit der Musik gehen und er muss etwas beim Zuhörer auslösen, egal was. Natürlich lieber schöne als schlechte Gefühle, aber er muss etwas bewegen.

Carina: Ich finde einen Songtext dann gut, wenn sich dir die Geschichte des Songs dadurch öffnet. So, dass du direkt mitfühlen kannst. Wenn der Text dich sozusagen in die Atmosphäre des Songs mitnimmt.

schreibstation: Beeinflusst Literatur eure Musik?

Manu: Ja. Ich lese genau aus diesem Grund fast ausschließlich englische Bücher, weil ich auch englische Songtexte schreibe und das hilft mir dabei.

Carina: Ich lese auf Englisch und auf Deutsch. Gerade lese ich zum Beispiel Fiesta von Hemingway. Die englischen Bücher bringen eben diese Effekte, diese Wörter und Sätze, die einen zu Songtexten inspirieren.

schreibstation: Wer hat Train to a better Home geschrieben?

Carina: Ich habe den Song geschrieben. Das war letzten September, da saß ich zu Hause und habe im Fernsehen die Flüchtlingskrise verfolgt. Das waren so viele Eindrücke, die musste ich einfach rausschreiben. Ich wollte mich reinfühlen, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen und sich auf so einen langen und ungewissen Weg zu machen.

Manu: Ich habe den Song dann gehört und dachte mir erst ach schön, so typisch Carina (lacht). Dann hatte ich den Song die ganze Zeit im Ohr und habe drüber nachgedacht und sie gebeten, ihn aufzunehmen. Der Song hat mir so gut gefallen, dass ich fand, wir müssen damit etwas machen. Der durfte nicht einfach in der Schublade verstauben.

Carina: Ich wollte ihn erst nicht veröffentlichen, weil es eben so ein ernstes Thema ist. Aber Manu hat mich dann davon überzeugt. Und er hat den Song auch noch verfeinert und ihn zum Beispiel mit dem Klavier noch schöner gemacht.

schreibstation: Wo kann der Song gehört werden?

Manu: Wir haben ihn auf Bandcamp hochgeladen und auch eine Organisation gesucht, German Alliance. Die fahren dorthin, wo es wirklich brennt und jeder kann mitfahren und helfen. Carina ist auch schon mitgefahren. Auf der Webseite der Organisation kann der Song auch angehört werden und man kann dadurch spenden.

Carina: Ich habe den Song auch schon bei ein paar Konzerten gespielt, oder wir gemeinsam. Das war jedes Mal sehr emotional, für uns und die Zuhörer.

Manu: Es ist ja auch so, dass sich viele damit identifizieren können. Der Song spricht nicht nur die Flüchtlingskrise an, sondern generell alle Menschen, die sich ein neues Zuhause suchen müssen oder sich ein besseres Zuhause wünschen.

schreibstation: Habt ihr eine Lieblingszeile im Songtext?

Carina: Ich mag den Schluss am liebsten, also den Teil, den ich ohne Musik singe.

Manu: Und ich mag, in Verbindung mit der Melodie, den Satz: Humans like you and I. Das ist die Kernaussage für mich.

 

Train to a better Home – reinhören und rauslesen:

 

 

So many people in the world

Getting lost and getting hurt

Things are changing overnight

Humans like you and I

Like you and I

 

So many people on their way

Looking for a safer place to stay

All the things seemed so right

Got lost in the fight

In the fight

 

And now you go

Taking the train to a better home

And you don’t know

Wondering where you belong

And now you go

With your heart full of hope

Sometimes you weep sometimes you cry

You hope to find a better live

Sometimes it’s hard to say goodbye

 

Many things that just turned wrong

Lost your house and a friend through a gun

Fences standing in your way

While you search for a place to stay

To stay

 

And now you go

Taking the train to a better home

And you don’t know

Wondering where you belong

And now you go

With your heart full of hope

Sometimes you weep sometimes you cry

You hope to find a better live

Sometimes it’s hard to say goodbye

 

Bury all those weapons in the sand

Free these people, free this land

Make this place a home again

Free these people, free this land

Bury all those weapons in the sand

Free these people, free this land

Bury all those weapons in the sand

Free these people, free this land

Make this place a home again

Free these people free this land

Bury all those weapons in the sand

Free these people free this land

 

You see I’m just a little girl

Have not much to say in this cruel world

But if a song could change a heart

I made a start

I made a start

 

INFO: Carmina Reyes kann in München am 29. April beim Singer & Songwriter Abend im My Fable, am 30. April im Rahmen der Langen Nacht der Musik im busner.s  und am 22. Juli  beim Thalkirchner Sommerfest gelauscht werden. MANU tritt am 7. und 8. Mai auf dem Weingut Meine Freiheit in Darmstadt und am 4.Juni bei den Frontstage Concerts in Peiting auf.

 


»Without lyrics, my music would mean nothing« – Stu Larsen sound so.

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Stu Larsen kommt aus Australien und bereist seit Jahren die Welt. Ein festes Zuhause hat er nicht; er zieht mit seiner Musik umher – sie zieht ihn fort, wie er in seinem Song The Mile beschreibt. Er kehrt aber auch wieder mit ihr zurück. Ich habe ihm Ende 2013 das erste Mal in München gelauscht. Seither war ich bei mehreren seiner Konzerte auf verschiedenen Bühnen in der Stadt. Einmal ist er dabei mit seinem guten Freund Mike Rosenberg alias Passenger aufgetreten, der auch sein aktuelles Album Vagabond (2014) produziert hat. Zuletzt habe ich im Frühjahr sein Konzert in Kopenhagen besucht und mich dort mit ihm über das Interview unterhalten. Seine Antworten hat er mir dann von unterwegs geschickt; ich weiß nicht genau, von wo. Ich weiß aber, dass ich seine Musik immer wieder gerne höre und auch, dass Thirteen Sad Farewells nach wie vor mein liebstes Lied von ihm ist.

schreibstation: Why do you make music?

Stu Larsen: Because it feels right. I love seeing the world and singing about it.

schreibstation: Do you write the lyrics yourself?

Stu Larsen: Yes. If I am the person singing the songs, I want to believe every word and sing from my heart.

schreibstation: How do you come up with the lyrics?

Stu Larsen: I usually just think about what I want to say and start to play guitar and write a song.

schreibstation: Are you often talking about your lyrics?

Stu Larsen: Not really, I think once I write the song I like it to speak for itself. Sometimes I’ll tell a story to give the song context, but mostly I like to let the lyrics do the work.

schreibstation: What makes great lyrics for you?

Stu Larsen: When a story is told in a way that you maybe haven’t heard before.

schreibstation: Does literature influences your writing?

Stu Larsen: I don’t read many books. My songs are inspired by real life experiences I have had along the way.

schreibstation: What is the importance of the lyrics in your music?

Stu Larsen: Without lyrics, my music would mean nothing. With meaningless lyrics, I would not want to do what I do. Lyrics are of paramount importance.

schreibstation: What is the story behind The Mile?

Stu Larsen: It’s about growing up on a farm where the mailbox was one mile away at the end of the driveway. I always wanted to leave and explore but I never really went further than the end of the driveway. The song is about dreaming of bigger things but at first, not really knowing how to get there. I eventually found a way.

schreibstation: Is there a favourite line in the song, you like to sing?

Stu Larsen: »I’ve only got one pair of shoes comforting these weary feet, because a man who owns too much is like a song without a beat, left feeling incomplete.«

The Mile – reinhören und rauslesen:

i had never seen the snow

never sailed upon the seas

i was busy making plans

to build a fortress in the trees

i’d ride my bicycle

down the lane and back again

talking to the birds and my

imaginary friends

and i’d want to run away

go as far as i could see

but i’d always turn around

to find familiarity

right where it should be

i’ll be gone, running on the mile

oh my love, is there hope for yesterday?

cos i’m following my heart

and it’s taking me away

i am moving on, i do not know where i will go

but i’m beckoned by the sky

in the river down below

i’ve only got one pair of shoes

comforting these weary feet

cos a man who owns too much is like a song without a beat

left feeling incomplete

i’ll be gone, running on the mile

oh my Lord, running on the mile

Thirteen Sad Farewells – reinhören und mit mir genießen:


»Ich bin keiner, der Geschichten erzählt« – The Marble Man sound so.

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Letztens, an einem lauen Sommernachmittag, habe ich mich mit Josef Wirnshofer alias The Marble Man an der Münchner Freiheit getroffen. Wir haben uns gemeinsam auf die Suche nach einem Café gemacht und während die Wespen um unsere Gläser kreisten, drehte sich unser Gespräch um seine Musik, die sich seit der ersten Platte Sugar Rails (2007) und der zweiten Platte Later, Phoenix… (2010) verändert hat. Haidhausen (2013) wurde als Bandalbum aufgenommen; mit dabei sind Jonas Übelherr, Boris Mitterwieser, Michael Zahnbrecher und Daniel Mannfeld. Die Songtexte tragen weiterhin die Handschrift von Josef, der Sound ist schwerer, sperriger – wie bei dem Song Field Study zu hören ist.

schreibstation: Du und die Musik, wie ist es dazu gekommen?

The Marble Man: Über die Beatles. Als Kind habe ich ganz klassisch Blockflöte und Akkordeon gelernt und mir danach eigentlich geschworen, nie wieder Musik zu machen, weil ich das ganz entsetzlich fand. (lacht) Als ich ungefähr zehn war, hat mir meine Tante aber eine Beatles-CD geschenkt, das hat mich ziemlich gepackt. Ich hatte Lust, Gitarre zu lernen und habe angefangen, Songs zu schreiben. Irgendwie wurde das zu einem selbstverständlichen Teil von meinem Alltag, die meiste Zeit zwischen 13 und 18 habe ich mit Aufnehmen verbracht.

schreibstation: Seit wann spielst du mit einer Band?

The Marble Man: Das hat sich nach und nach ergeben. Die ersten beiden Platten habe ich zwar alleine aufgenommen, live bin ich aber seit dem ersten Album mit Band unterwegs. Daniel, der Gitarrist, und unser Schlagzeuger Jonas waren schon 2007 bei der Sugar Rails-Tour dabei, kurz danach kam Boris am Bass dazu, 2009 dann Michael am Klavier. Ich fand es immer gut, wie die Jungs die Stücke live auf ihre Art interpretiert haben. Nach dem zweiten Album wollte ich, dass das auch im Studio passiert. Deshalb war bei der Haidhausen klar, dass es ein Band-Album wird.

schreibstation: Warum The Marble Man?

The Marble Man: Weil ich zu der Zeit, als ich einen Namen gesucht habe, sehr viel Nico gehört habe. Ihr Album The Marble Index hat mich damals stark beeindruckt. Ich wollte das aber nicht einfach übernehmen, also habe ich The Marble Man gewählt.

schreibstation: Schreibst du deine Songs nach wie vor selbst?

The Marble Man: In der Regel schreibe die Songs nach wie vor ich, die Ausarbeitung im Proberaum machen wir gemeinsam. Manchmal gibt es aber Songs, die wir zusammen schreiben. Field Study zum Beispiel, das ist von Michael und mir.

schreibstation: Und wie läuft das dann ab?

The Marble Man: Meistens nehme ich Demos auf und schicke sie den anderen. Oder ich bringe eine Grundstruktur mit in den Proberaum, an der wir dann weiter arbeiten. Früher habe ich ziemlich konstant an Songs geschrieben. Mittlerweile liegen längere Abstände dazwischen, dafür gibt es Phasen, in denen ich in kurzer Zeit relativ viel schreibe. Tatsächlich kommen mir viele Songs nicht, wenn ich Gitarre spiele, sondern wenn ich durch die Stadt laufe oder im Zug sitze.

schreibstation: Fallen dir dabei dann Texte oder Melodien ein?

The Marble Man: Beides. In erster Linie aber Melodien, die ich dann in mein Handy singe. Bei den Texten ist es eher ein Sammeln. Ich schaue immer wieder in mein Notizbuch, was ich so aufgeschrieben habe. Aber ich bin keiner, der Geschichten erzählt.

schreibstation: Was machst du dann?

The Marble Man: Natürlich ist alles irgendwo eine Geschichte, aber es geht mir nicht darum, mit der ersten Zeile bei A anzufangen und mit der letzten Zeile bei Z aufzuhören. Auf den ersten beiden Alben war das noch anders, da waren die Texte narrativer. Aber es dauert ja auch, bis man seine Sprache gefunden hat. Das entwickelt sich von Platte zu Platte und es gibt auf jedem Album Zeilen, die ich heute nicht mehr schreiben würde. Vor allem kommt es kaum mehr vor, dass ich irgendwas in meinem Alltag erlebe und dann konkret einen Text daraus mache.

schreibstation: Was für eine Rolle spielt der Text dann in deiner Musik?

The Marble Man: Eine sehr ästhetische. Ich finde es spannend, wenn in einem Stück eine bestimmte Stimmung vorherrscht, die der Text dann trägt oder auf einer anderen Ebene widerspiegelt. Ich bin kein Fan davon, wenn Songtexte mir eine Botschaft aufzwingen.

schreibstation: Beeinflusst dich Literatur beim Songwriting?

The Marble Man: Ja, aber weniger der Inhalt, mehr die Methode oder wie ein Text aufgebaut ist. Während wir die Haidhausen aufgenommen haben, habe ich viel Rainald Goetz gelesen. Ich mag das Versatzstückhafte an seinen Texten.

schreibstation: Was ist die Geschichte hinter Field Study?

The Marble Man: Eine Geschichte gibt es eigentlich nicht, es sind einzelne Szenen. Das Stück strahlt eine gewisse Kälte aus und die sollte auch im Text rüberkommen. Mir wurde zum Bespiel mal erzählt, wie einem Soldaten bei der US Army der Sergeant verliehen wird. Der Vorgesetzte ruft ihn ins Büro und brüllt scheinbar »Why are you here, Sergeant?«, der Soldat antwortet »I came to get what’s mine!« Das ist für mich eine ziemlich kalte, schroffe Kraftgeste; die wollte ich in einem Song haben. Zu Field Study hat das dann gepasst. In der zweiten Strophe spricht eine Figur, die einen humorvollen Zynismus verkörpert und sagt: Wenn sie mal alt ist und sich langweilt, will sie Tauben vergiften. Wieder so etwas Kaltes, Abgewandtes, das ich in dem Song haben wollte. Tendenziell haben die meisten Sachen, die ich schreibe, eine gewisse Schwere, etwas Sperriges. Ich weiß nicht, woher das kommt. Man wird natürlich beeinflusst von den Sachen, die man selbst hört. Während der dritten Platte waren das vor allem Nick Cave und die Einstürzenden Neubauten. Alles keine Jahrmarktsmusik.

schreibstation: Hast Du eine Lieblingszeile in dem Song?

The Marble Man: Vielleicht I think I’ll poison pigeons when I’m old and bored ich finde die Zeile zynisch, aber auf eine lustige Art.

Field Study – reinhören und rauslesen:

Dusty pleasures, sulky landscapes: always lie!

No trespassing! Patience drew a matchless eye

and cursed the day when Ymir drank his mother’s milk

You’re but a face above the ground.

‚I think I’ll poison pigeons when I’m old and bored

and market them to rats behind my garden door.

Their ghosts will wait and meet me at the cemetry

and spit upon the ashes of our century.‘

You’re but a face above the ground.

Why are you here, Sergeant?

Well, I came to get what’s mine!

Love is a business and God is a business, I’d trade my life

for a place in the quicksand, a kick on the forehead, a bed of flies

the less the more embarrassing, the more the worse

Ladies and Gentlemen, the unwelcome urge!

You’re but a face above the ground.

Why are you here, Sergeant?

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant?

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant? You’re but a face above the ground.

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant? You’re but a face above the ground.

Well, I came to get what’s mine!

Why are you here, Sergeant? You’re but a face above the ground.

Info: The Marble Man kann diesen Donnerstag, 17.9., in der Glockenbachwerkstatt in München gelauscht werden und am 26.9. bei der Melodica Night in Wien. Die neueste Single Totem ist als limitierte, handnummerierte Vinyledition ausschließlich bei den Live-Konzerten erhältlich.

Foto: Susanne Steinmaßl


»Ein möglichst dreidimensionales Erlebnis« – Young Chinese Dogs sound so.

Young Cinese Dogs

Der Sound von Young Chinese Dogs trägt Lagerfeuerwurzeln; das verrät mir nicht nur ihr Pressetext, das bestätigen mir auch meine Ohren: Oft schon habe ich mir das erste Album Farewell to Fate angehört und auch dem neuen Album Great Lake State werde ich gerne lauschen. Die Folk-Band aus München spielt und singt sich damit weit über Bayern hinaus: Die Songs verbinden ihre gemeinsame Reise als Band; von Amerika bis zum Alpenraum – die Wurzel des Folk und Country wächst mit der Lagerfeuerwurzel von Young Chinese Dogs zusammen. Das Album ist on the road entstanden, während Birte Hanusrichter, Nick Reitmeier und Oliver Anders Hendriksson Konzert an Konzert reihten und Musik für Film und Fernsehen lieferten; in einem dieser Filme hat Birte selbst die Hauptrolle übernommen. Und sie hat mir auch meine Fragen beantwortet, ebenfalls von unterwegs. Great Lake State erscheint genau in einem Monat, am 21.August; im Oktober steht die Tour an. Mit Heart full of Hope ist auf der schreibstation bereits ein Song daraus zu hören.

schreibstation: Warum machst du Musik und warum machst du sie in einer Band?

Birte: Musik zu machen ist ein wichtiger Kanal mich auszudrücken, Menschen zu zeigen wer ich bin und zu sehen, wer sie sind. Es geht um Kontakt und Austausch. In einer Band macht das noch mehr Spaß als alleine, weil man nicht nur nach außen kommuniziert, sondern auch innerhalb der Band und das wiederum potenziert den Kontakt mit den Zuschauern. Es ist toll!

schreibstation: Schreibt ihr eure Songs selbst und falls ja, wer schreibst sie?

Birte: Wir schreiben unsere Songs im Kollektiv. Wir reden darüber, um was es in dem Song geht und tauschen uns aus. Manchmal können wir das Thema dann eins zu eins umsetzen. Und manchmal kommt dann etwas ganz Anderes am Ende heraus. Die Summe der Teile.

schreibstation: Wie entstehen die Lyrics?

Birte: Meistens schreiben wir über Dropbox oder Email. Jeder eine Zeile oder eine Strophe, dann wird wieder gelöscht. Das ist komischerweise ein sehr friedlicher Prozess, bei dem sich keiner mißverstanden fühlt.

schreibstation: Welche Rolle spielen die Lyrics in eurer Musik?

Birte: Eine große Rolle natürlich. Unsere Songs sind sehr emotional und selbst die schnelleren Songs haben meist einen melancholischen Kern. Die Lyrics dürfen also gern ein Gegengewicht zur Musik bilden.

schreibstation: Was macht einen guten Songtext für dich aus?

Birte: Ein guter Songstext sollte Bilder beim Zuhörer auslösen. Erinnerungen, Gerüche, Gefühle, Geschmack, eine Temperatur. Ein möglichst dreidimensionales Erlebnis. Ein Gefühl von »Woher wissen die das? Waren die in meinem Leben dabei?« Das hat wieder etwas mit Kontakt zu tun. Menschen machen ähnliche Erfahrungen und das bringt sie zusammen.

schreibstation: Was wollt ihr mit eurem neuen Album zum Ausdruck bringen?

Birte: Unser neues Album Great Lake State drückt verschiedene Stationen unserer nun vierjährigen Reise als Band aus. Es geht um Punkte, die wir verbinden mussten. Country, Folk, Amerika, Irland, Deutschland, die Seen, die Berge, die Großstadt, das Tourleben und was eigentlich die Verbindung zwischen alldem ist.

schreibstation: Welche Geschichte steckt hinter Heart Full of Hope?

Birte: Der Song handelt vom verloren gehen. Im Leben, zwischen all diesen Punkten über die ich eben geredet habe. Und von der Hoffnung der am Leben Verzweifelten. Ich glaube, das kennt jeder. Man glaubt es gibt keinen Weg, aber wenn man tief genug gräbt, merkt man, dass da noch ein Fünkchen Hoffnung in einem glimmt. Diese Diskrepanz, diese Kräfte die da gegeneinander wirken setzen Energie frei. Und das wird in diesem Song deutlich.

schreibstation: Hast du eine Lieblingszeile in dem Song und falls ja, warum diese?

Birte: Life’s a sign to be read as it fades away – Es geht ums weitermachen. Tag für Tag, Schritt für Schritt. Definitive Antworten bekommen wir nicht. Und wenn man ehrlich ist, macht das ja auch den Reiz aus.

Heart full of Hope reinhören und rauslesen:

Salt in my wounds it won’t make pain easy

It’s the only way i know that i’m far from death

Sugar in my cup but it wont please me

Cause the one thing i know is life is far from sweet

With a heart full of hope i try to live my way

But the less that i know the happier i am

Life’s a sign to be read as it fades away

All give or take every single day

My point of view is rather shaky

And I wear my glasses so my tears won’t show

All signs pointed here and that’s where I went

But fear’s awaiting me

So i’m falling down again

With a heart full of hope i try to live my way

But the less that i know the happier i am

Life’s a sign to be read as it fades away

All give or take every single day

 

Die Great Lake State-Tour: 01.10. Jena, Café Wagner – 02.10. Berlin, Privatclub – 03.10. Hamburg, Molotow Sky Bar – 04.10. Münster, Hot Jazz Club – 06.10. Leipzig, Werk 2 – 07.10. Kiel, Schaubude – 08.10. Bremen, Tower – 09.10. Köln, Yuca – 10.10. Osnabrück, Kleine Freiheit – 11.10. Essen, Zeche Carl – 13.10. Stuttgart, Keller Klub – 14.10. Regensburg, Alte Mälzerei – 15.10. Dresden, Groovestation – 16.10. München, Kranhalle – 17.10. Nürnberg, Club Stereo