verhört eins: Fingerstyle von Pan Chimzee

LJ3NP7BN

Anfang September habe ich Pan Chimzee in Berlin gelauscht; er spielt Acoustic Fingerstyle Guitar. Seine EP Peace of Mind läuft seither oft – nebenbei während ich lese, im Hintergrund während ich schreibe, im Vordergrund wenn ich mich immer wieder daran verhöre. Da musste ich ihm einfach ein paar Fragen stellen.

schreibstation: Erzähl von dir!

Pan Chimzee: Ich bin 21 und lebe als freischaffender Künstler in Berlin. Geboren wurde ich im tiefen Süden Bayerns, der Drang zum Ausleben meiner Musik und die Freude am Straßenmusizieren haben mich allerdings in die Hauptstadt geführt. Hier reist meine Musik vom Park auf die Straße, in die Restaurants und Bars, ins Theater, durch Clubs, zu Hochzeiten, vor Fernsehkameras, zu Festivals, ins Studio für meine erste EP im Februar 2015 und gerne immer wieder auch zurück in mein Wohnzimmer – einatmen, ausatmen und los in die zweite Runde. Neben dem Solospiel auf der Gitarre mag ich auch das gemeinsame Musizieren sehr. Ich spiele hin und wieder auch Percussion, Xaphoon, Cello oder Keyboard. Oder aber ich wechsle die Position und widme mich aktiv dem Musikhören. (lacht)

schreibstation: Seit wann spielst du Gitarre und was bedeutet es für dich?

Pan Chimzee: Ich würde behaupten, mein Bruder hat eine große Rolle dabei gespielt, die Musik und vor allem das Musizieren für mich zu entdecken. Auch mein Vater hat früher Gitarre gespielt und gesungen, ich habe immer gern zugehört und dazu getanzt. Der Klang der Gitarre ist mir also schon immer sehr nahe und vertraut und die Musik ist schon lange ein guter Freund. Etwa als ich 13 war, wollte ich mir mit einem Freund ein Schlagzeug teilen. Aber obwohl es einen Platz bei mir zu Hause im Keller gefunden hat, vertiefte nur er sein Interesse am Drumkit und der Welt der Percussion, ich hingegen wandte mich dem Gitarrenspiel zu. Mein Bruder hat mir einfache Lieder beigebracht und als ich im Internet dann auf Videos von den Gitarristen Erik Mongrain, Michael Hedges und Andy McKee gestoßen bin, habe ich mir in den Kopf gesetzt, eines Tages ihre Lieder spielen zu können. Ich habe mich also an meine Gitarre gesetzt und mich darin geübt, Kompositionen nach Gehör zu lernen. Seitdem ist die Gitarre mein ständiger Begleiter, mein Mittel zur Kommunikation. Sie bescherte mir schon zahlreiche Abenteuer, ebnete mir den Weg zu neuen Freunden und lässt mich immer wieder an schöne Erinnerungen zurückblicken.

schreibstation: Wie übst du denn?

Pan Chimzee: In Eigenregie. Das hat den tollen Effekt, dass du selbst Lehrer und Schüler zugleich bist – Erwartungen an mich selbst hatte ich daher nie. Das Lernen neuer Lieder macht mir immer Spaß. Wenn er aber manchmal verschwindet, lege ich das Instrument weg und mache erst Tage später weiter. Andererseits verliere ich beim Herumalbern mit der Gitarre auch gerne das Zeitgefühl und finde mich dann Stunden später mit leerem Magen in einem dunklen Wohnzimmer mit neuer Komposition wieder. (lacht) Ich versuche vor allen Dingen den Spaß am Spielen immer zu bewahren. Wenn mir also eine Woche lang nicht nach Gitarre spielen ist, dann ist das eben so. Nach der Pause kehrt man dafür mit neuen Ideen, freiem Kopf und alter Freude zurück. Vor Auftritten spiele ich also manchmal ganz gezielt nicht, damit die Vorfreude wächst und wächst!

Acoustic Fingerstyle Guitar von Pan Chimzee klingt so:

Info: Pan Chimzee ist ab November mit einer Konzertreihe in Berlin unterwegs! Jeden ersten Sonntag findet die Berlin Acoustic Guitar Nights im Prachtwerk (Ganghofer Str.2, Neukölln) statt – er und der australische Gitarrist Geordie Little laden dazu immer zwei neue Gitarristen und Gitarristinnen aus aller Welt ein. Im Zuge der Holy Grail Guitar Show in Berlin (31.10. bis 01.11.) startet die Konzertreihe am Sonntag, 1.November um 19 Uhr.

 

 


mit Musik

Die schreibstation hat nun ein Anhängsel, ein +1 auf der Über-was-ich-berichte-Liste, ein »mit«: Literaturblog mit Musik. Die Interview-Reihe sound so verbindet die beiden nun schon seit einigen Monaten, nun hat die Musik eine eigene Kategorie – weil ich schreibe und lese und lausche und singe. Ich frage mich auch weiterhin durch die Songtexte und wer weiß, was sich zukünftig noch so anspielt und was mir dazu einfällt…eine erste weitere musikalische Unterkategorie entsteht jedenfalls schon; ein erster Beitrag folgt bald in verhört:

Es ist dieser Moment auf Konzerten, in dem ich mich wohl verhöre: wenn ich mich bis über beide Ohren verliebe in eine Musik und der Welt mitteilen will, was meine Welt bespielt: ein Song oder gleich ein ganzes Album – ihr werdet hier davon hören.

IMG_20150917_084636