book fairyTALE IV / I: Das mit den roten Haaren

Dieses Jahr schöpfe ich die Frankfurter Buchmesse so richtig aus. Fünf Tage bin ich dort und das verlangt nach mehr als einem Blog Post. Es gibt Geschichten zu erzählen, reichlich. Nicht nur jene, die zwischen den unzähligen Buchseiten warten, sondern auch die aus den Gängen der Messehallen. Und diese hier hat damit zu tun, dass es mir neben den unabhängigen Verlage auch die unabhängigen Magazine besonders angetan haben. Daheim stapeln sich die Magazine mit den Büchern um die Wette. Dem Berliner Magazin-Laden do you read me? statte ich regelmäßig einen Besuch ab. Kein Wunder also, dass es mich auf der Buchmesse zur »Indiecon Island« (von den Machern des Indiecon Festivals) verschlägt. Ein wenig schwelge ich bei diesem Thema stets in den Erinnerungen an [Lautschrift], das Magazin, an dem ich selbst einmal beteiligt war. Es ist ein Teil meiner Literaturlaufbahn, ebenso wie meine roten Haare ein Teil von mir sind. Was hast das eine mit dem anderen zu tun? Wo ich schon beim schöpfen war, komme ich nun zum Schopf – dem Haarschopf. Denn als ich mitten im Magazinvergnügen stehe und staune, tippt mir jemand auf die Schulter. »Hey, du hast ja rote Haare!« Ich drehe mich um. »Gut erkannt!« Mir stehen ebenfalls rote Haare gegenüber. Sie gehören zu Tristan, dem Herausgeber des weltweit einzigen Magazins für Rothaarige. Er drückt mir die neueste Ausgabe vom MC1R in die Hand. Eigenartig, denke ich erst. Was für ein passender Titel, denke ich später, als ich mich schlau mache: MC1R ist die Abkürzung für den Melanocortinrezeptor 1, der zum Chromosom 16 gehört, das die Haarfarbe beeinflusst. Bei Rothaarigen ist das verändert. Grund genug ein Magazin daraus zu machen? Eindeutig! Das MC1R erscheint bereit zum fünften Mal, Anklang findet es also, auch von mir (natürlich bin ich da befangen). Why do I have freckles? fragt ein Artikel. Being a Ginger in New Zealand erzählt ein anderer. Redheads of the World zeigt eine Karte. Das Magazin ist in die Rubriken Culture, People, Design und Photography unterteilt. Ich blättere neugierig, mit hochrotem Kopf – im wahrsten Sinne.

Auf der unabhängigen Insel gibt es auch Das Wetter – Magazin für Text und Musik. Ebenfalls ein hübsches Stück! Und meine roten Haare haben sich in ein Magazin geschlichen, das sich dort ebenfalls einreiht: das Blog-to-Print Magazin archiv/e. Der Reise- und Fotoblog von Cindy, cake + camera,  wird darin vorgestellt, mit dabei ist folgendes Foto.

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So schließt sich der Kreis. Die Freude an den unabhängigen Magazinen bleibt und die roten Haare, die wachsen und gedeihen. Und was die Buchmesse angeht: Ich entdecke weiter und berichte, so wie in den letzten Jahren auch.

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Info: MC1R – The magazine for redheads; 160 Seiten, auf Englisch, lieferbar in die ganze Welt und darüber hinaus; 16 Euro.

Bild: MC1R

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Literaturpost auf Karten

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Diese Woche wurden mir fünfzehn Postkarten aus Leipzig geschickt – sie zeigen allerdings keine Stadtansichten, sondern illustrierte Literatur. Das literarische Postkartenmagazin Syrinx wurde im Mai 2015 von Gemma Wilson und Alexandra Berg ins Leben gerufen; beide wohnen in Leipzig. Als ich vor einigen Wochen darauf aufmerksam wurde, steckten sie noch mitten in den Vorbereitungen für die erste Ausgabe. Nun ist sie da! Jede Ausgabe hat ihr eigenes Thema; gestartet ist das Magazin mit dem »Spannungsfeld zwischen stereotypen Beschränkungen und Interpretationsmöglichkeiten von Kategorisierung.«

Auf jeder Postkarte sind Wort und Bild vereint: Texte werden in Illustrationen umgewandelt, Illustrationen werden in Texten interpretiert. Am Werk sind dafür junge AutorInnen, IllustratorInnen und TypografInnen. Die erste Ausgabe ist mit 100 Exemplaren erschienen; für die zweite Ausgabe werden bereits neue Schreiberlinge gesucht. Die Texte dürfen bis zu 550 Zeichen haben – in manchen Fällen gibt es eine Ausnahme: eine längere Geschichte wird auf drei Postkarten abgedruckt, damit sie in mehreren Teilen verschickt werden kann. Damit sich die Literatur auch auf Postkartenformat austoben kann…

Zeilen von der letzten Karte im Bunde:

»Und dann saßen wir dort auf dem Bordstein deiner Straße. Und ich sagte: Schau mal, wie schön der Himmel heute aussieht, so ganz ohne Wolken. Und du sahst auf deinen Vorgarten und das verbrannte Gras, deine Schultern zuckten und mein Herz auch.« (Sonja Hertwig)

Info: Syrinx ist bisher in ausgewählten Läden in Leipzig oder online erhältlich – 7 Euro (+ 3 Euro Versand).

Bilder: Syrinx Magazin