BOOK FAIRytale V

Letzte Woche um diese Zeit steckte ich noch mittendrin, im Buchmessen-Rummel in Leipzig. Buchmesse, das ist die Zeit des Hotelschlüssels, des Ausstellerausweises, der Wert- und Pfand- und Garderobenmarken, und der Blasenpflaster. Es ist die Zeit der endlosen Schlangen, der Rund um die Uhr am Stand-Schichten, des durch die Menge-Drängens. Es ist die Zeit der alten und der neuen Begegnungen, des immer selben und stets neuen. Es ist die Zeit des Bücherstöberns. Vor allem des Bücherstöberns. Gesucht und gefunden habe ich:

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Das Buch der Wunder von Stefan Beuse; mairisch Verlag 224 Seiten.

»Die andere Welt.« Ihre Augen funkelten. »Lass uns da rein.«

Tom legte seinen Kopf zurück aufs Kissen und strich mit der Hand die Bettdeckenhügel glatt.

»Wie stellst du dir das denn vor?«

»Habt ihr das nicht gelernt, in Bio? Wie das geht?«

»Du kannst nicht einfach die Frequenzen der Welt ändern, Penny.«

Seine Schwester lag wieder vollkommen ruhig.  Tom hörte nicht mal ihren Atem.

»Nein«, sagte sie. »Aber unsere.«

 

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Mehr Schwarz als Lila von Lena Gorelik; rowohlt Berlin 256 Seiten.

»Diese Geschichte ist lang, und sie ist kurz, sie ist verwirrend und vertrackt, verworren ist sie auch, und manch einer würde vielleicht sagen, sie ist verrückt, aber ich nicht.«

 

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Das Umgehen der Orte von Fabian Hischmann; berlin Verlag 208 Seiten.

»Wir waren lange genug still, findest du nicht? Lass uns reden!«

 

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Dinge, die vom Himmel fallen von Selja Ahava; mare Verlag 208 Seiten.

»Der Wind rauschte in den Ohren, plötzlich verschwand jegliche Farbe, und das Meer versank in Finsternis, obwohl es erst sechs Uhr war. Der erste Blitz erleuchtete den Meeresrücken. Im Licht des Blitzes konnte Hamish sehen, wie auf der Wasseroberfläche kleine, scharfe Wellen im Zickzack zuckten […] der Wind nahm so rasant zu, dass nicht einmal die Wellen mitkamen.«

 

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Ein Gott ein Tier von Jérôme Ferrari; secession Verlag 110 Seiten.

»Gewiss die Dinge enden schlecht, und doch, du wärest fortgegangen und du wärest,  sobald die Umarmung der Welt zu drückend geworden wäre, zurückgekehrt zu dir nach Hause. Aber so ist es eben nicht gelaufen, denn die Dinge enden auf ihre rätselhafte und grausame Weise schlecht und lassen sämtliche Illusionen der Hellsichtigkeit an sich zerschellen. Du bist fortgegangen, die Welt hat dich nicht umarmt, und als du zurückkehrtest, da war dies nicht mehr dein Zuhause.«

 

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Reisen ohne Ziel von Harry Martinson, Guggolz Verlag 408 Seiten.

»So flattert man mit einer Sehnsucht um die Erde, und die ungeschriebenen Reiseschilderungen stapeln sich in der Seele.«

»Der Inhalt meines Ichs war eigentlich nur Sehnsucht; eine formlose, wortlose Sehnsucht […].«

»Uns selbst und die Welt müssen wir kennenlernen. Der Weg dahin führt durch guten Willen, guten Willen und nochmals guten Willen.«

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BOOK FAIRytale III

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Ich stelle wieder fest: sie ist es! Halle 4.1 ist mein Ort auf der Frankfurter Buchmesse. Da wartet das Erstaunliche, das Anziehende, das Schöne; da warten die kleinsten und die größten Freuden der Buchwelt auf mich. Da gehe ich zuerst hin und zuletzt und zwischendurch sowieso. Ich bleibe unter dem Goldregen beim August Dreesbach Verlag stehen und blättere in einem Hingucker über die schwedische Marken, Design- und Filmagentur SNASK; Make Enemies & Gain Friends:

Dieses Buch ist ein Muss für alle, die kreative Erleuchtung suchen, selbst gestalten oder einfach nur die Weltherrschaft anstreben. (August Dreesbach Verlag)

Ich schnappe Fragen bei Schöffling & Co. auf:

»Ihr lest keine Lyrik? Seid ihr wahnsinnig?«

(Maria Gazetti, ehemalige Leiterin des Lyrik Kabinetts in München)

und lese mich beim Verlagshaus Berlin Zeile um Zeile ins diesjährige Gastland Indonesien mit dem absolut hübschen Gedichtband Hochzeit der Messer von der indonesischen Dichterin Dorothea Rosa Herliany. Ich drehe und wende die Wespennest – Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder, stecke mir eine Hörprobe von speak low ein und staune über das erste Hörbuch auf Schallplatte: About Songs & Books vom mairisch Verlag. Ich darf beim secession Verlag löschpapier vom Stand weg mitnehmen, ein Gedichtband des Berliner Musikers Vincenz Kokot. Die Gedichte begleiten mich auf der Rückfahrt nach München und sie gefallen mir! tinte zum Beispiel:

bloß in den nächten ist es

schwer bei sich zu sein

am tage verlauf ich

mich überall hin

nach jeder

seite

Daheim höre ich das Folk-Trio my sister grenadine; Kokot spielt Ukulele und singt. Auch die Musik gefällt mir! So führt eines zum anderen, so kommt die Literatur zur Musik und die Musik zur Literatur – auch auf der Buchmesse.

Weitere Bücher, die mir aufgefallen sind:

Hasenmeister von Tilman Strasser – Salis Verlag

Auerhaus von Bov Bjerg – Blumenbar

Mein Hiddensee von Ulrike Draesner – mare Verlag

Low von Boris Pofalla – Metrolit Verlag

Im Meer schwimmen Krokodile von Fabio Geda – btb Verlag

Die Clique von Mary McCharty – ebersbach & simon

So viel Fantasie – Schriftstellerinnen in ihrer dritten Lebensphase von Ingeborg Gleichauf – Aviva

Literaturmachen II – Literatur und ihre Vermittler von Erwin Krottenthaler und José F.A. Oliver – Voland & Quist

Luftsprünge – Eine literarische Reise durch Europa von Thomas Geiger – dtv Verlag

Die eine oder andere Rezension folgt sicherlich in den kommenden Wochen; die nächste Buchmesse garantiert im nächsten Jahr.

Bild: Die Leserin von Stefanie Benz, Johanna Dahlem, Niat Hadgu und Juliane Zieher; Preisträger beim Plakatwettbewerb der Frankfurter Buchmesse